Stichworte für die
Begrüßungsansprache des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin,
Walter Momper,
in der Gedenkstunde anlässlich der Übergabe des "German Jewish History Award"
am Mittwoch, dem 25. Januar 2006, im Plenarsaal

(Anrede),
ich begrüße Sie alle sehr herzlich zu unserer festlichen Veranstaltung zur Verleihung des "German Jewish History Award". In diesem Jahr wird diese hohe Auszeichnung zum sechsten Mal vorgenommen und findet zum fünften Mal im Abgeordnetenhaus von Berlin statt.

Zwei Tage vor dem diesjährigen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus werden heute abend sechs Deutsche von der Obermayer Foundation ausgezeichnet, die sich um die Erinnerung an Zeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland besondere Verdienste erworben haben.

Diese Preisverleihung verbindet in würdiger Form Vergangenheit und Gegenwart, sie weist aber gleichzeitig auch in unsere gemeinsame Zukunft.

Seit 1996 ist der 27. Januar, der Tag an dem vor nunmehr 61 Jahren Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreiten, Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland. Auschwitz wurde zum Synonym für millionenfachen Mord und Terror, für eine bis ins letzte durchgeplante Vernichtungsmaschinerie, für Unmenschlichkeit schlechthin.

Das Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft heißt für uns, aus der Erinnerung Verantwortung für das heute und das morgen abzuleiten. Gedenktage wie der 27. Januar sagen auch immer etwas darüber aus, was einer Gesellschaft wichtig ist. Sie können nur verankert werden, wenn sie von der großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen werden. Sie können nur Bestand haben, wenn die Menschen sich den Inhalt des Gedenkens nicht nur an diesem Tag, sondern vor allem im Alltag zu eigen machen und damit anderen ein Vorbild geben.

Hier setzt der "German Jewish History Award" ein signifikantes Zeichen, weil er diejenigen auszeichnet, die es sich zu einer Herzensangelegenheit gemacht haben, Zeugnisse jüdischen Lebens und jüdischer Kultur zu bewahren. Die heutigen Preisträger haben sich mit ihrem großartigen Engagement, ihrer Begeisterung und - wenn nötig - Beharrlichkeit für ihre Projekte eingesetzt und diese zum Erfolg geführt. Die Bedeutung der Beiträge der Menschen jüdischer Herkunft in der deutschen Geschichte in Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur bis 1933, haben Sie mit Ihrer Arbeit - im großen wie im kleinen - verdeutlicht. Hierfür möchte ich Ihnen von Herzen Dank sagen. Was Sie getan haben, haben Sie auch für uns alle getan.

Meine Damen und Herren,
mehr als andere tragen wir Deutschen dafür Verantwortung, dass sich Terror und Massenmord nicht wiederholen. Hierzu gehört, dass wir das Wissen über die Vergangenheit wach halten und die Lehren aus unserer Geschichte an die nächsten Generationen weitergeben. Dazu gehört auch das entschlossene Auftreten gegen alle neuen Formen des Rechtsextremismus, Antisemitismus und rechte Gewalt.

Vor wenigen Tagen hat hier im Abgeordnetenhaus zum vierten Mal das Jugendprojekt "denk!mal" seinen diesjährigen Abschluss gefunden. Über 400 Jugendliche haben mehr als 40 Projekte vorgestellt, in denen sie sich mit der Zeit des Nationalsozialismus und mit aktuellen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus und Rassismus auseinandersetzen. In einer nachdenklichen und beindruckenden Veranstaltung in diesem Plenarsaal kam eine eindrucksvolle Vielfalt und Kreativität der Beschäftigung mit der Geschichte und dem Eintreten für Toleranz und Liberalität in der Gegenwart zum Ausdruck.

Die Sensibilität und Nachdenklichkeit der jungen Menschen für ein würdiges Gedenken an die Opfer des Holocaust, aber auch ihre Begeisterungsfähigkeit, sich für Menschenrechte und Toleranz zu engagieren, waren für alle Teilnehmer spürbar. Diese Jugendlichen haben gezeigt, dass die Rechtsextremisten in Deutschland nur eine kleine Minderheit sind. Wir wollen gemeinsam alles dafür tun, dass das auch in Zukunft so bleiben wird.

Meine Damen und Herren,
die heutigen Preisträger des "German Jewish History Award erfüllen uns mit Genugtuung. Ihr Wirken ist vorbildlich und macht uns Mut bei unserer täglichen Arbeit für die Wahrung einer offenen und toleranten Gesellschaft, die sich ihrer Verantwortung vor der Geschichte bewusst ist.

Ich beglückwünsche alle Preisträger - zugleich auch im Namen des Abgeordnetenhauses von Berlin - sehr herzlich.

Mein besonderer Dank gilt Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Obermayer, Ihrer Stiftung, dem Auswahlgremium und allen, die an der Vorbereitung der heutigen Veranstaltung beteiligt waren.

Uns allen wünsche ich für den heutigen Abend eine Stunde der Nachdenklichkeit, des gemeinsamen Erinnerns und der Hoffnung.

Nochmals herzlich willkommen im Abgeordnetenhaus von Berlin.

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