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Edzard
Reuter
Ansprache anlässlich der Preisvergabe
der Obermayer German Jewish History Awards
Abgeordnetenhaus von Berlin 25. Januar 2006
Herr Präsident
des Abgeordnetenhauses,
meine Damen und Herren,
dieses ist ein feierlicher
Tag. Sie ehren zum wiederholten Mal Persönlichkeiten, die herausragende
Beiträge zur Dokumentation und zum Erhalt der jüdischen Geschichte
und Kultur, des jüdischen Erbes und der Überreste jüdischer
Gemeinden in Deutschland geleistet haben. Es hat also seinen guten Grund,
dass diese Preisverleihung in der Regel am 27. Januar, dem Tag der Befreiung
von Auschwitz im Jahre 1945, stattfindet. In diesem Jahr steht dem der
Shabbat entgegen. Das ändert nichts an dem engen, dem eigentlich
untrennbaren Zusammenhang zwischen dem Gedenken an den Holocaust und
der bleibenden Herausforderung, uns der Verpflichtung zur mahnenden
Erinnerung bewusst zu bleiben.
Andererseits könnte
man wohl daran die Vermutung knüpfen, dass zum eigentlichen Anlass
dieses nationalen Gedenktages, der Erlösung der durch den deutschen
Staat in der dunkelsten Zeit seiner Geschichte errichteten Konzentrations-
und Vernichtungslager, schon mehr als einmal alles Notwendige gesagt
worden ist. Deswegen werden es womöglich nicht Wenige sein, die
es, trotz der förmlichen Proklamation dieses Tages durch den Bundespräsidenten,
tief in ihrem Innersten vorziehen würden, die Entscheidung den
Bürgerinnen und Bürgern selbst zu überlassen, ob sie
jeweils für sich an die Opfer des Genozids und seine Ursachen denken
oder sich gar der Meinung hingeben wollen, die Geschichtsschreibung
habe längst das Ihre besorgt, ihr sei folglich nichts mehr hinzu
zu fügen. Andere mag es geben, denen es angebracht erschiene, wenn
das Erinnern nicht im Angesicht der höchsten politischen Vertretungen
unserer Nation seinen Ausdruck fände, sondern durch Niederlegung
von Kränzen an den bestehenden Denk- und Mahnmalen ersetzt oder
sich gar auf besondere Jahreszahlen beschränken würde.
Machen wir uns nichts
vor: Dies sind Standpunkte, die keineswegs nur in der Bierlaune des
einen oder anderen Stammtisches ihren Platz finden. Nein, auch sich
nachdenklich gebende Reden solcher Mitbürger, die aus ihrem Metier
als Schriftsteller oder anderer Erzeuger geistiger Güter die Berechtigung
ableiten, sich als Mentoren unserer Nation missverstehen zu dürfen,
sprechen da zuweilen eine ebenso deutliche wie Besorgnis erregende Sprache.
Von noch anderen, ja: widerlichen, Entgleisungen, wie wir sie leider
bis hin zu gewählten politischen Repräsentanten immer wieder
erleben müssen, soll hier schon gar nicht die Rede sein.
In der Tat wären
wir mehr als falsch beraten, solche Ergüsse kurzer Hand als Verirrung
einiger Weniger abzutun. Daran darf sich auch nicht das Geringste ändern,
sollte sich in dem einen oder anderen Fall heraus stellen, dass sich
manche solcher Äußerungen auf einzelne Beobachtungen stützen,
die zumindest auf den ersten Blick sogar zutreffen können. Schaut
man genauer hin, erweist sich freilich regelmäßig, dass es
sich bei derartigen vermeintlichen Wahrheiten allenfalls um einen winzigen
Ausschnitt des Ganzen handelt, der wegen seiner Subjektivität eben
doch zum Schluss ebenso zwangsläufig wie hoffnungslos in die Irre
führen muss.
Nicht minder ruchlos
erscheint es mir, wenn manche sich daran machen, das Erinnern zum nützlichen
Vehikel eigener Anliegen, seien sie politischer oder gar kommerzieller
Natur, zu missbrauchen. Doch dürfen solche Schmutzigkeiten, mögen
sie einem noch so sehr gegen den Strich gehen, wirklich Grund genug
sein, darauf zu verzichten, dass sich die Bürgerinnen und Bürger
unserer Republik regelmäßig jene uns nun einmal in geschichtlich
einzigartiger Weise eingeprägte Erkenntnis in ihr Gedächtnis
rufen, die Erkenntnis, dass Freiheit und Demokratie ohne Achtung der
Menschenwürde niemals und nirgends überleben können und
dass deswegen die Wahrung der Menschenrechte eine Mahnung ist, die eben
nicht aus besonderen Anlässen, sondern täglich neu auf die
Tagesordnung unserer Besinnung gehört?
Für mich zählt
übrigens zu solcher Mahnung unverzichtbar auch die strenge, durch
nichts aufgeweichte Beachtung der allgemein anerkannten Regeln des Völkerrechts.
Davon sind diejenigen Mitglieder der Staatengemeinde, die sich dank
ihrer großartigen geschichtlichen Tradition besonders dazu berufen
fühlen, selbst außerhalb ihrer eigenen Grenzen die Beachtung
der Menschenrechte zu erzwingen, in keiner Weise ausgenommen. Nicht
weniger trifft diese Mahnung auch alle diejenigen unter uns, die dazu
neigen, den Respekt für Menschen einer anderen kulturellen Herkunft
und deren Lebensweisen hintan zu stellen gegenüber ihren eigenen
materiellen Interessen oder sie gar dafür zu missbrauchen. In beiden
Richtungen lehrt uns nämlich die Geschichte, die Gefahren nicht
gering zu schätzen, in die uns der Überschwang eigenen Sendungsbewusstseins
oder die einseitige Berücksichtigung des eigenen Vorteils allzu
leicht hinein stürzen können.
Hier und heute geht
es freilich um mehr, um weit mehr, ja, um etwas ganz Anderes. Denn niemand
kann aus unserer Geschichte auslöschen, dass es Deutsche waren,
die in vorher nie da gewesener Art und Weise die Achtung der Menschenwürde
beiseite gefegt haben. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland":
diese schreckliche Feststellung in der Todesfuge" von Paul
Celan verkörpert eine Wahrheit, der sich eben keine Frau und kein
Mann in diesem Land entziehen kann. Mit persönlicher Verstrickung,
mit individueller Schuld, aber auch mit Vorwerfbarkeit gegenüber
der oder dem Einzelnen hat das gewiss nicht das Geringste zu tun.
An diese in den
voran gegangenen Disputen längst geklärte Wahrheit dürfen
selbstverständlich auch diejenigen ständig neu erinnert werden,
die versuchen, aus geschichtlicher Schuld aktuelle politische Ansprüche
welcher Art auch immer herzuleiten. Ohne Unterschied schließt
das jene noch so auflagenträchtigen Autoren ein, die sich heraus
nehmen, die Fähigkeit zu einer geschichtlich einzigartigen Barbarei
aus irgend welchen angeblichen nationalen Eigenheiten abzuleiten, ohne
auch nur für einen Augenblick zu bedenken, dass sie sich damit
das mörderische Klischee von eingebildeten Rassemerkmalen für
ihr eigenes Suppentöpfchen zu Eigen machen.
Dennoch: Der
Tod ist ein Meister aus Deutschland". Ob man es will oder nicht,
dieser Wahrheit kann niemand entrinnen, es sei denn, man wäre willens,
die Augen und Sinne davor zu verschließen, dass es niemals vorher
und niemals nachher in der Geschichte des Menschengeschlechts einen
vergleichbar furchtbaren Anschlag auf die Würde von Menschen gegeben
hat, von Menschen noch dazu, deren Auswahl sich einzig und allein an
der Zufälligkeit einer vorgeblichen Rassenzugehörigkeit ausrichtete.
Das sollten auch
diejenigen nicht vergessen, die sich neuerdings aus sicherlich gut gemeinten
Empfindungen aufmachen wollen, das Erinnern an staatliche Untaten gleichsam
von den zu Grunde liegenden Umständen und Zusammenhängen los
zu lösen. Ein bewusst und gewollt organisierter Völkermord
darf nun einmal auf keinen Fall aufgewogen werden selbst gegen die entsetzlichste
Entrechtung und Zerstörung einzelner Menschen durch andere noch
so grausame Diktaturen unserer Zeit. Alle solche Versuche müssten
nämlich zum Schluss in einer Einebnung von unvergleichbarem Unrecht
enden.
Damit hier kein
Zweifel aufkommt: Menschliches Opfer, menschliches Leid, durch staatliches
Handeln bewusst in Kauf genommen oder gar gewollt verursacht, verdienen
ohne jeden Unterschied die gleiche Abscheu, diejenigen, die davon betroffen
worden sind, den gleichen Respekt. Vor ihnen sich zu verneigen, bleibt
unsere Pflicht, ob es die nationalsozialistische, die sowjet-kommunistische
- oder, sicherlich um keinen Deut weniger schrecklich, die maoistische
- Barbarei gewesen sind, die Menschen unsägliches Leid aufgezwungen
haben. Die gedenkende Mahnung, dass sich so etwas nie wiederholen darf,
verlöre dennoch allzu leicht ihren Ernst, würde sie aus dem
Auge verlieren, dass es trotz aller verderblichen Ähnlichkeiten
zumindest zwischen den beiden europäischen Diktaturen eben doch
einen ebenso entscheidenden wie unleugbaren Unterschied gab.
Der nationalsozialistische
Rassenwahn zielte zumindest in seinem Endstadium auf die physische Vernichtung
einer, ja mehrerer ethnisch definierter Gruppen von Menschen. Das Ergebnis
war der staatlich organisierte Massenmord in weiten Teilen Europas.
Etwas Vergleichbares findet sich in der Geschichte des kommunistischen
SED-Staates nicht. Dabei bin ich mir durchaus im Klaren, dass eine derartig
nüchtern formulierte Feststellung in den Ohren der einzelnen Opfer
wie Hohn klingen mag. Aus einem Anlass wie dem heutigen muss sie dennoch
zulässig sein. Denn an diesem Tag geht es in der Tat darum, uns
mahnend daran zu erinnern, dass eine, ich verwende eine Kennzeichnung
durch Volkhard Knigge, volksgemeinschaftlich verfasste, weitgehende
Konsensdiktatur von bis dahin nicht vorstellbarer Verbrechensintensität"
wie der Nationalsozialismus jedenfalls uns Deutsche, aber vielleicht
noch mehr als nur uns, mit einer wahrhaft Grauen erregenden Erkenntnis
vertraut gemacht hat: der Erkenntnis, dass wir Menschen im Stande sind,
unsere gesamte zivilisatorische Erfahrung zu vergessen, indem wir Unseresgleichen
ohne Rücksicht auf individuelle Schuld der Opfer als Masse dahin
schlachten.
Niemand kann auch
nur entfernt die Literatur übersehen, die inzwischen diesem Phänomen,
seinen Ursachen und seinen Erklärungen nachzugehen versucht. Abstrakte
Analyse schiene mir aber dem heutigen Anlass ohnehin wenig angemessen.
Um so eher sehen Sie es mir hoffentlich nach, wenn ich gerade heute,
an dem Tag, an dem sie einzelne Personen ehren, die sich für das
unschätzbare Gut der lebendigen Erinnerung eingesetzt haben, meine
mehr als subjektiven Empfindungen an die Stelle eines untauglichen Versuchs
setze, die Verhaltensweise von Menschen zu verstehen, von denen ich
weiß, dass ich unter ihnen als Nachbar neben Nachbarn aufgewachsen
wäre, hätte mir das Geschick nicht eine friedliche Jugend
inmitten des so gastfreundlichen und dem Fremden aufgeschlossenen Volk
der Türken geschenkt.
Solche subjektiven
Empfindungen machen sich oft genug an äußerlichen Begebenheiten
fest. Für mich zählt dazu ein Besuch im Haus der Wannsee-Konferenz
in Berlin. Wie auch immer die genaue geschichtliche Einordnung jener
mörderischen Zusammenkunft aussehen mag: In dieser großbürgerlichen
Villa am Wannsee, mit ihrem holzgetäfelten Interieur und ihren
gemütlichen, zum Plaudern einladenden Sitzecken hatten sich in
jenem Januar des Jahres 1942 fünfzehn führende Vertreter der
obersten Reichs- und Parteibehörden des nationalsozialistischen
deutschen Staates, zum großen Teil wohl ausgebildete Akademiker
in ihren besten Jahren, eingefunden, um, unter der Anleitung eines Mannes,
der, wenn auch in seinem Charakter eine vom Ehrgeiz zerfressene Bestie,
so doch in seinem äußeren Gehabe ein betont disziplinierter
Amtsinhaber war, einen aus ihrer Sicht rein bürokratischen Ablauf
zu besprechen und festzulegen.
Denn anders als
ursprünglich von manchen Historikern angenommen, ging es ja -Eberhard
Jäckel hat das bereits frühzeitig klargestellt - nicht etwa
um die grundsätzliche Entscheidung, den ohnehin schon in Gang befindlichen
Massenmord an den europäischen Juden nun endgültig in die
Tat umzusetzen. Nein, nach Art der Ausarbeitung von Einzelheiten beispielsweise
zur Zulassung von Kraftfahrzeugen für den allgemeinen Straßenverkehr,
handelte es sich um die penible Festlegung der Einzelheiten von Kriterien,
die gelten sollten, um jene Gruppen von Menschen abzugrenzen, die zur
Massenvernichtung bestimmt waren oder die verschont bleiben durften.
Besonders verwunderlich wäre es da nicht, sollte die erfolgreiche
Besprechung mit einem gemütlichen Glas Cognac und einer genussvollen
Zigarre abgeschlossen worden sein...
Kaum scheint es
mir vorstellbar, wie sich irgend jemand dem Erleben eines solchen Schauplatzes
entziehen könnte. Unausweichlich erinnert es uns alle, gerade und
besonders auch diejenigen, die als nachfolgende Generationen keinerlei
eigene Berührung mit dem damaligen Geschehen mehr haben, an die
Aufgabe, die Orte solchen Schreckens für alle Zukunft als ständige
Mahnmale zu wahren. Nicht zuletzt trifft eine solche Verpflichtung die
gewählten Vertretungen unseres Volkes, die Parlamente und die Regierungen
der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Länder. In diesem Sinne
muss aus meiner Sicht der heutige Tag zugleich die Mahnung erneuern,
dass leere öffentliche Kassen auf gar keinen Fall zum Vorwand für
Nachlässigkeit dienen dürfen.
Trotz seiner besonders
schwierigen Haushaltslage ist, wie ich denke, Berlin als Hauptstadt
unserer Republik dieser Verantwortung immer wieder in vorbildlicher
Weise nachgekommen. Um so weniger zögere ich, ganz bewusst auch
hier und heute daran zu erinnern, dass der Entschluss zum Holocaust
an den europäischen Juden und nachfolgend auch an den Sinti und
Roma zwar den geschichtlich einzigartigen Höhepunkt des nationalsozialistischen
Wahns gebildet hat. Dennoch stand er nur am konsequenten Ende eines
Weges, der bereits mit der Übernahme der Staatsgewalt durch die
Barbaren am 30. Januar 1933 begonnen hatte. Denn vom ersten Tage an
wurde es zur selbstverständlichen Übung gemacht, politische
Gegner wie rechtlose Wesen zu behandeln und sie mit der Diktion des
Unmenschlichen abzuqualifizieren. Ohne Einschränkung gilt: Wer
es nur wollte, hätte schon damals den Völkermord vorher sehen
können.
Ich meine, dass
man das kaum besser auf den Punkt bringen kann, als es Wibke Bruhns
mit zwei winzigen Hinweisen in ihrem fabelhaften Erinnerungsbuch gelungen
ist. Im Zusammenhang mit der Auswanderung eines jüdischen Arztes
nach Palästina im Jahre 1935 zitiert sie aus dem Tagebuch ihrer
Mutter, ihren Vater habe das sehr bewegt", weil Juden
doch auch Menschen wären". Und sie zitiert Goebbels, der schon
1928 offen bekannt hat, man wolle zwar die Macht legal erobern,
aber was wir mit dieser Macht einmal, wenn wir sie besitzen, anfangen
werden, das ist unsere Sache". Kann man, darf man dem noch etwas
hinzufügen?
Dabei bleibt die
Kenntnis der großen geschichtlichen Abläufe und Zusammenhänge
selbstverständlich wichtig, ja unverzichtbar. Das gilt auch für
die Erinnerung daran, wie sie sich auf die Menschen ihrer Zeit ausgewirkt
haben. Trotzdem sind wir offensichtlich als menschliche Einzelwesen
so angelegt, dass das individuelle Schicksal, der tägliche Umgang
sich in der Regel weit tiefer und bleibender in unser Gedächtnis
einprägen als noch so meisterhaft gelungene Geschichtsschreibung.
Das mag mit unserem Wissen zusammen hängen, dass unser je eigenes
Erdenleben begrenzt ist, und mehr vielleicht noch mit der Ungewissen
Ahnung, was diese Unausweichlichkeit bedeutet. Vermutlich aus diesem
Grund vermögen wir zumeist eher das Schicksal mitzufühlen,
das einzelnen Menschen widerfahren ist, als das, was ganzen Völkergruppen
beschieden war.
Mit den Obermayer
German Jewish History Awards werden Personen und Institutionen geehrt
und ausgezeichnet, die sich genau um diese Art des Erinnerns besonders
verdient gemacht haben. Ihr Wirken trägt dazu bei, dass niemand
von uns in die Unverbindlichkeit des Allgemeinen entfliehen kann. Denn
wir müssen wohl heute alle miteinander aufpassen, dass wir nicht
den Blick für das Wesentliche verlieren.
Gewiss hat auch
die andere deutsche Diktatur, das kommunistische Regime, unsägliches
Leid über unzählige Menschen, nicht zuletzt junge Menschen,
gebracht. Ebenso gewiss hat der alliierte Luftkrieg mit seinem unmenschlichen
Bombenterror, hat die Vertreibung der deutschen Einwohner aus den Ländern
im Osten Europas schreckliche Opfer gekostet. Und doch darf es niemals
dazu kommen, dass wir uns auf die Erkenntnis zurück ziehen, der
nationalsozialistische Völkermord sei nur ein mehr oder minder
beliebiger Teil der unleugbaren Tatsache, wonach - um noch einmal Volkhard
Knigge zu zitieren - in der düsteren ersten Hälfte des
Zwanzigsten Jahrhunderts Viele viel gelitten haben". Die vor nicht
allzu langer Zeit veröffentlichten alliierten Luftaufnahmen über
Auschwitz und Birkenau aus dem Jahr 1944 sprechen da eine Sprache, deren
Wirkung sich wohl nur diejenigen entziehen können, deren Empfindung
für die Abgründe menschlicher Untaten bis in die Tiefe ihres
Inneren erloschen ist.
Nur dann, wenn wir
uns die Erkenntnis dieser Einzigartigkeit nicht nehmen lassen, werden
wir berechtigt sein, ausnahmslos aller Opfer von Qual, Demütigung
und Tod gleichermaßen zu gedenken. Nur dann, sage ich, dürfen
wir uns mit Fug und Recht vor jedem einzelnen Mensch, dem ein solches
Schicksal zugefügt worden ist, in gleicher Ehrfurcht verneigen.
Daran zu erinnern, dass diese einzelnen Menschen einst inmitten ihrer
Nachbarinnen und Nachbarn, also Tür an Tür mit uns gelebt
und gelitten haben - das ist das bleibende Verdienst Ihrer heutigen
Preisträgerinnen und Preisträger. Ich gratuliere ihnen allen
von ganzem Herzen, denn sie haben wahrhaft die Ehrung verdient, die
ihnen zugedacht wurde.
Und ich bin froh,
dass die so verdienstvolle Stifterin der Auszeichnungen tatkräftig
durch Sie, Herr Präsident, und durch die German Jewish Special
Interest Group of Jewish Gen unterstützt wird.
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