Grußwort der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland,
Frau Charlotte Knobloch,
anlässlich der Verleihung der
Obermayer German Jewish History Awards im Januar 2007

Die Verleihung des "German Jewish History Award" gehört inzwischen zu einer außerordentlich begrüßenswerten Tradition, die ihren Ort im Herzen des politischen Berlin gefunden hat. Jährlich werden hier herausragende Beiträge von Menschen gewürdigt, die sich oftmals mit Leib und Seele dem Anliegen verschrieben haben, einen Beitrag zum Erhalt jüdischer Geschichte und Kultur zu leisten. Auch wenn die Biographien und Motivationen der Preisträger oftmals unterschiedlicher Natur sind - eines eint sie alle: Sie wollen verhindern, dass die Opfer des nationalsozialistischen Menschheitsverbrechens vergessen - und damit ein zweites Mal ermordet werden. Mit ihrer oft mühevollen und jahrelangen Recherchearbeit leisten die Preisträger einen Beitrag dazu, dass Juden als einstmals lebendige Mitglieder der Gesellschaft gezeigt, wiederentdeckt und gewürdigt werden. Es ist immer wieder erstaunlich, was das zähe Engagement gegen das Vergessen alles ans Tageslicht bringt, in einer Zeit, in der man meint, schon alles erforscht zu haben.

Plötzlich wird die überwältigende Fülle jüdischen Lebens, jüdischer Geschichte und jüdischer Kultur sichtbar und steht vor unser aller Augen. Es ist ein überwältigendes Erlebnis, wenn plötzlich hinter einem wiederentdeckten Werk, einem Grabstein, einem Ort oder einem Gegenstand, ganze Lebensgeschichten von Menschen, jüdischen Menschen, aufscheinen und Gestalt annehmen. Lebensgeschichten von Menschen, die ein Leben hatten, hoffnungsvoll ihr Leben planten und an eine Zukunft glaubten.

Eine Zukunft, die der Holocaust auf so unfassbar zerstörerische Weise zunichte gemacht hat. Wenn heute Inge Franken, Johannes Bruno, Lars Menk, Ernst Schäll und Wilfried Weinke mit dem von Dr. Arthur S. Obermayer gestifteten Preis geehrt werden, dann haben sie nicht nur in diesem Sinne einen unschätzbaren Beitrag geleistet.

Sie leisten zudem einen Beitrag dazu, wie mein Vorgänger im Amt, Paul Spiegel sel. A. es einmal so treffend formuliert hat, dass der "Fackelstab der Erinnerung" an die Jugend weitergegeben und von ihr weitergetragen wird. Heute können nur noch wenige Überlebende vom einstmals blühenden jüdischen Leben und den Grauen des Holocaust, der dies alles zerstörte, Zeugnis ablegen. Umso wichtiger ist es, dass die Zeugnisse jüdischen Lebens der Vergangenheit entrissen und für die Zukunft und damit für kommende Generationen bewahrt bleiben. Durch das Bewahren der Erinnerung , fordern die Preisträger zugleich die heutige Jugend auf, sich ihrer aus der Vergangenheit resultierenden Verantwortung für eine demokratische Zukunft bewusst zu sein. Denn nur wer sich seiner Vergangenheit bewusst ist, hat auch wirklich eine Zukunft. Eine Zukunft in die wir Juden in Deutschland wieder unser Vertrauen setzen.

Ich gratuliere den Preisträgern von ganzem Herzen und wünsche ihnen: Mazel tov!!

Charlotte Knobloch
Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland

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