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Ansprache
des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin,
Walter Momper,
anlässlich der Verleihung
der Obermayer German Jewish History Awards
am 23. Januar 2008 um 18.00 Uhr im Plenarsaal
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- Es gilt das gesprochene
Wort -
- Sperrfrist: 23.01.2008, 18.00 Uhr -
Im Namen des Abgeordnetenhauses
von Berlin begrüße ich Sie alle sehr herzlich zur Verleihung
der German Jewish History Awards durch die Obermayer-Foundation. Diese
einmalige und herausragende Auszeichnung vergeben Sie, sehr geehrter
Herr Obermayer und Ihre Stiftung in diesem Jahr zum achten Mal und ich
freue mich, dass Sie auch in diesem Jahr Berlin und das Abgeordnetenhaus
als Ort dieser Preisverleihung gewählt haben.
Berlin ist geehrt
und auch dankbar, dass Sie gerade in diese Stadt kommen, von der aus
- was wir nie vergessen dürfen - die Verbrechen der Nationalsozialisten
ihren Ausgang genommen haben.
Die heutigen sechs
Preisträger erhalten die hohe Auszeichnung für herausragende
Beiträge zur Dokumentation der jüdischen Geschichte und der
jüdischen Kultur in Deutschland. Die Preise werden jedes Jahr zum
Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar, verliehen.
Der 27. Januar ist
nicht nur in Deutschland nationaler Gedenktag, überall auf der
Welt sind die Menschen aufgerufen, an diesem Tag des beispiellosen Völkermordes
an sechs Millionen Juden und vieler anderer Opfer des nationalsozialistischen
Rassenwahns zu gedenken. Das Konzentrationslager Auschwitz, das die
sowjetischen Truppen am 27. Januar 1945 befreien konnten, wurde zum
Inbegriff der NS-Vernichtungsmaschinerie.
Die Nationalsozialisten
sprachen den Juden das Recht auf Leben ab. Das ungeheuerliche Vorhaben,
die jüdische Bevölkerung Deutschlands, ja Europas, systematisch
zu ermorden, wurde nicht etwa von frei gelassenen Kriminellen begonnen
und in beispielloser Unmenschlichkeit umgesetzt. Nein, es waren ganz
normale Menschen, mit ganz normalen Berufen, die zu Tätern wurden.
Aus fast ganz Europa kamen die Vernichtungstransporte nach Auschwitz.
62 Jahre nach der
fast vollständigen Vernichtung des deutschen Judentums sehen wir
überall in Deutschland und insbesondere auch in Berlin lebendige
jüdische Gemeinden. Die Jüdische Gemeinde in Deutschland ist
heute eine der größten Europas.
Ich empfinde es
als einen ganz besonderen Vertrauensbeweis, dass heute wieder so viele
Juden in Deutschland leben und Deutschland als ihre Heimat ansehen.
Das deutsche Volk
hat aus der Geschichte gelernt und die Verantwortung für die Vergangenheit
übernommen. Wir sind uns bewusst, dass wir die Verpflichtung haben,
immer wieder daran zu erinnern, dass der Holocaust als eine europäische
Katastrophe von hier seinen Ausgang genommen hat.
Der Gedenktag am
27. Januar ist für uns Ansporn, jedes Jahr neu nach angemessenen
Formen des Gedenkens zu suchen. Wir brauchen keine abgenutzten Rituale!
Die Erinnerungskultur muss immer auch einher gehen mit der kritischen
Auseinandersetzung mit der Gegenwart.
In Deutschland,
auch hier in Berlin, wird der Rechtsextremismus von einer kleinen Gruppe
in der Gesellschaft immer offener zur Schau gestellt. Diese beunruhigenden
Vorfälle dürfen allerdings nicht verwischen, dass die ganz
große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland Rassismus und
Antisemitismus ablehnt.
Das Abgeordnetenhaus
von Berlin hat zum Gedenken an den Holocaust einen eigenen Weg gefunden:
Wir laden jedes Jahr Berliner Jugendliche zu unserem Jugendprojekt denk!mal
ein. Die Jugendlichen können im Abgeordnetenhaus bei einer großen
Veranstaltung am 28. Januar und danach eine Woche lang vorführen
und ausstellen, welche Projekte des Gedenkens und der gelebten Toleranz
sie in den letzten Monaten entwickelt haben.
Ich bin stolz auf
diese Jugendlichen. Sie setzen sich nachdenklich und verantwortungsbewusst
mit der Vergangenheit auseinander und sie spüren die aktuellen
Erscheinungsformen von Antisemitismus, Fanatismus und Rassismus auf.
Unzählige Jugendinitiativen in Berlin versuchen, die Spuren jüdischen
Lebens vor 1945 zu rekonstruieren und jüdischer Kultur und jüdischen
Menschen auf ihre Weise ein Andenken zu setzen.
75 Jahre nach der
sogenannten Machtergreifung gibt es in Berlin wieder ein vielfältiges
jüdisches Leben. Mehr als 25.000 Juden leben in unserer Stadt.
Dazu gehören die vielen Zuwanderer aus dem osteuropäischen
Raum. Das heutige jüdische Leben in unserer Stadt ist natürlich
nicht mit dem in der Weimarer Republik oder dem des 19. Jahrhunderts
zu vergleichen. Aber es gibt in unserer Stadt alles, was für ein
jüdisches Leben notwendig ist: Synagoge und Schule, koschere Brötchen
und jüdisches Theater.
Die Jüdische
Gemeinde und die Juden in Deutschland und in Berlin sind wieder ganz
selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft geworden. Das ist
ein gutes Gefühl.
Meine sehr geehrten
Damen und Herren, sehr geehrter Herr Obermayer, ich freue mich, dass
Sie wieder nach Berlin gekommen sind und beglückwünsche die
Preisträger der Obermayer-Foundation ganz herzlich.
Mein herzlicher
Dank gilt aber nicht nur Ihnen und Ihrer Stiftung, sondern auch der
Jury und den vielen Menschen, die diese Veranstaltung erst möglich
gemacht haben.
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