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GÜNTER
BOLL
STEINENSTADT, GERMANY
Vorgeschlagen von Daniel Teichman-Levy, Zürich, Schweiz,
Raymond M. Jung, Zürich, Schweiz,
Professor Freddy Raphael, Straßburg, Frankreich
Die Arbeiten des Günter
Boll haben in drei Ländern einen starken Einfluss ausgeübt.
Seine Forschungen über die jüdischen Gemeinden in Baden,
Deutschland, im Elsass, Frankreich und in der Nordschweiz sind besonders
für die Juden aus dem Elsass und ihren heute über die ganze
Welt verstreut
lebenden Nachkommen von Bedeutung. Da er sein Wissen so großzügig
zur Verfügung stellte, konnten Familiengeschichten rekonstruiert
und an die nächste Generation weitergegeben werden.
Günter Boll wurde
am 5. August 1940 in Freiburg geboren. Ausgebildet zum Lehrer mit Schwerpunkt
Geschichte entwickelte er ein großes Interesse an der Geschichte
der einst blühenden jüdischen Gemeinden am Oberrhein. Seine
ernsthaften wissenschaftlichen Forschungen begannen 1981, als ihm die
Rettung vieler wichtiger Dokumente und Objekte aus einer brennenden
Müllhalde gelang, die ursprünglich aus der Synagoge von Mackenheim
im Elsass stammten. Darunter befanden sich 130 Thorawimpel (zeremonielle
Leinenstreifen für die Thora von der Brit-Milah) aus den Jahren 1669
bis 1904 und Dokumente mit Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten, die bis
zum
Jahr 1793 zurückreichten.
Dieser Fund führte
zur Veröffentlichung eines bedeutenden Buches und zur Erforschung
von Grabsteininschriften auf einem 400 Jahre alten Friedhof, auf dem bis
1755 die Juden aus Breisach bestattet wurden. Seine weiteren Forschungen
erlaubten es ihm, die fast unlesbar gewordenen Inschriften auf vielen
Grabsteinen des 18. Jahrhunderts aufzuzeichnen. Besonders zu erwähnen
ist dabei der Grabstein des Josef Günzburger, Gründer von sechs
jüdischen Gemeinden in Oberbaden. Günter Bolls Forschungsergebnisse
führten zur Veröffentlichung zahlreicher Studien über jüdisches
Leben. Nach über zwanzig Jahren ständiger Bemühungen gelang
es Günter Boll, die
französische Regierung zu überzeugen, den jüdischen Friedhof
offiziell zu einem historischen Denkmal zu erklären.
Aber sein Ziel war
nicht nur theoretische geschichtliche Forschung. Mit seinen Veröffentlichungen
brachte er sein Grundanliegen zum Ausdruck, sein Wissen mit den Menschen,
die auf beiden Seiten des Rheins leben, zu teilen. Er wollte ihnen die
Geschichte und Kultur der verschwundenen Welt der Juden auf dem Land nahe
bringen.
Sein intensives Interesse
an der jüdischen Geschichte veranlasste ihn zu Führungen auf
dem Jüdischen Friedhof, im Konzentrationslager Natzweiler-Struthof
und im Außenlager Urbes. Als es Günter Boll schließlich
gelang, das Haus des letzten Rabbiners in Breisach zu retten, regte er
die Einrichtung eines Zentrums als Treffpunkt für Juden und Christen
an, um ein positives, neues Verhältnis zu schaffen, das den guten
Willen zwischen den
Menschen fördern soll.
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