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IRENE
CORBACH
Köln, Nordrhein-Westfalen
Vorgeschlagen
von Gerti L. Pena, Los Angeles, CA; Fanny Englard, Moshav Beth Chanan,
Israel; Max und Marianne Strassman, Palo Alto, CA; Gisela Davidsohn,
Rishon Letzion, Israel; Anita Steinacher, Los Altos, CA; Jeanette Rosenberg,
London, England; Alice Turner, Overath, Deutschland
Ohne Dieter und
Irene Corbach wäre der Name Erich Klibankskys heute vergessen.
Als Lehrer am jüdischen Kölner Jawne Gymnasium
rettete Klibansky in den dreißiger Jahren mindestens 130 Schüler
aus Nazi-Deutschland. Klasse für Klasse brachte er sie mit Kindertransporten
nach England. Er selbst wurde nach seiner Deportation in Minsk umgebracht.
Klibanskys ist nur
ein Name von vielen, an den die Corbachs die Erinnerung wach halten.
Seit Mitte der achtziger Jahre erforschten beide in ihrer Freizeit die
Geschichte vieler jüdischer Schulen in Köln, wie auch die
Deportationen aus der Stadt. Nach Dieters Tod 1994 machte die heute
65 Jahre alte Irene allein weiter. Weder widerwillige Politiker, behäbige
Bürokratie, noch fehlende Finanzmittel konnten sie aufhalten. Durch
sie habe ich Leute getroffen, die ich bereits verloren geglaubt hatte,
sagt Fritz Bauchwitz, ein von Klibansky geretteter Schüler.
Angetrieben von
einer tief empfundenen Verantwortung für die Geschichte, hatten
sich die Corbachs er als Religionslehrer, sie mit einem kleinen
Verlag schon lange in ihrer Kirchenge-meinde für die christlich-jüdischen
Beziehungen engagiert. Doch vor knapp 20 Jahren traf Irene auf einer
Tagung einen Mann, der ihr erzählte, sein Vater sei Lehrer an einer
jüdischen Volksschule in der Kölner Lützowstraße
gewesen. Ich erschrak, erinnert sie sich, denn es
konnte nur die Gleiche sein, die ich später als Handelsschule besuchte.
Die Lehrer hatten nie von der Vorgeschichte erzählt. Für Irene
war schnell klar: Die heutigen Schüler dürfen nicht so ahnungslos
wie sie bleiben.
Dieses Erlebnis
wurde Ausgangspunkt für die Forschungen der Corbachs. Sie begannen
nach Zeitzeugen zu suchen, fuhren nach Israel und standen bald in Kontakt
mit Menschen, die noch Kölsche Lieder singen konnten,
sagt Irene
Corbach. Schnell stießen sie auf immer mehr von Klinbanskys ehemaligen
Schülern. Heute hält sie mit fast allen Überlebenden
des Jawne-Gymnasiums
Kontakt, sagt Fritz Bauchwitz. 700 Namen stehen in Irene Corbachs
E-Mail-Verteiler, der einmal jährlich einen Newsletter in alle
Welt versendet. Durch meine Arbeit sind mir die Geschichten der
Menschen so vertraut es ist, als
wäre ich mit ihnen verwandt, sagt sie.
Die Ausstellung
Die Jawne zu Köln und das gleichnamige Buch
recherchiert von beiden und geschrieben von Dieter - informieren über
jüdische Schulen in der Domstadt und das Wirken des letzten Jawne-Rektors
Erich Klibansky. Nach ihm und weiteren Persönlichkeiten sind auf
Initiative der Corbachs heute Straßen und Plätze benannt.
Wo einst das Schulgebäude stand, erinnert der Löwenbrunnen
an das frühere Gymnasium. In seinen Stein sind die Namen der deportierten
Kinder gemeißelt. Das von Dieter Corbach begonnene und nach seinem
Tod von Irene beendete Buch 6.00 Uhr ab Messe Köln-Deutz:
Deportation 1938 - 1945 klärt über das Schicksal von
7000 ermordeten Kölner Juden auf.
Irene Corbach selbst
hat unzählige Gedenkfeiern, Diskussionen und Vorträge mit
Zeitzeugen zu früheren jüdischen Gemeinschaften in Deutschland
organisiert, kümmert sich darüber hinaus um den Erhalt der
Kölner jüdischen Friedhöfe. Eine hartnäckige Rechercheurin
sei sie zudem, sagen Freunde, die vielen bei der Aufklärung der
eigenen Familiengeschichte half. In einer altmodischen Weise geht
sie direkt auf die Leute zu, wenn sie Hilfe brauchen, sagt Helga
Fritz. Sie denkt nicht lange darüber nach. Sie macht es einfach.
Unaufgeregt und
ruhig erzählt Irene Corbach von ihren Erfahrungen. Doch ihre Art
verdeckt die Entschlossenheit, mit der sie ihre Arbeit vorantreibt.
Vor drei Jahren lehnten die Stadt-verordneten von Köln-Mühlheim
ihren Vorschlag ab, mit einem Gedenkstein an die früheren jüdischen
Einwohner zu erinnern. Doch sie schreibt weiter Briefe und führt
Gespräche. Die Politiker werden eines Tages nicht mehr im
Amt sein, sagt sie, und ich habe schon 80 Namen für
das Denkmal."
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