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MICHAEL
HEITZ
Eppingen/Kraichgau, Baden-Württemberg
Vorgeschlagen von Zeev Elkoshi, Kefar-Sava, Israel; Werner Frank,
Calabasas, CA, USA; Nomi Halpern, Jerusalem, Israel; Menachem Mayer,
Jerusalem, Israel; Fred Raymes, Sarasota, FL, USA; Kate (Weil) Katz,
Phoenixville, PA, USA
Als Michael Heitz
15 Jahre alt war, klopfte er an die Türen der Nachbarn in seiner
Heimatstadt Eppingen und fragte die Menschen nach ihren Erinnerungen
an die ehemaligen jüdischen Nachbarn. "Meist blieben die Türen
geschlossen", erinnert sich Heitz.
Im Rahmen eines
nationalen Geschichtswettbewerbs der Körber-Stiftung beschäftigte
sich Heitz als Schüler mit den Geschehnissen in seiner Gemeinde
während der Zeit des Nationalsozialismus. Doch als er die älteren
Nachbarn zu ihren Erinnerungen an die Juden befragen wollte, weigerten
sich viele mit ihm zu reden. Überraschend entpuppte sich schließlich
seine Großmutter als beste Quelle und Inspiration, denn "es
stellte sich heraus, dass sie in den 1920er Jahren für eine jüdische
Familie gearbeitet hatte. Bis dahin hatte sie nie mit mir darüber
gesprochen. Sie sagte: ,Michael, wir haben so ein großes Unrecht
begangen. Und ich bin jetzt bereit mit Dir darüber zu reden. Wir
haben Menschen fortgejagt, die hier lebten.'" Heitz wurde für
dieses Projekt mit einem Preis ausgezeichnet.
Später studierte
Heitz Pädagogik und Jüdische Studien in Heidelberg und schrieb
seine Diplomarbeit zum Thema "Jüdisches Leben im Kraichgau
am Beispiel der ehemals kurpfälzischen Stadt Eppingen im 19. und
20. Jahrhundert - Mit Unterrichtsbeispielen".
Doch das war nur
der Beginn. In den 30 Jahren seit seinen Anfängen hat Heitz dazu
beigetragen, die jüdische Lokalgeschichte zu dokumentieren und
zu bewahren. Er hat Kontakte zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern
hergestellt und die Weichen für eine ganz neue Generation von Schülern
gestellt, um in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit etwas Positives
zu schaffen. Heitz hat zahlreiche Artikel zur jüdischen Lokalgeschichte
und zu jüdischen Persönlichkeiten aus Eppingen und dem Kraichgau
geschrieben und seinen Schülern dabei geholfen, eine Website, ein
Buch und einen Kalender zu diesem Teil der Geschichte zu erstellen.
Heitz ist Gründungsvorsitzender
des Vereins "Jüdisches Leben Kraichgau e.V.", der über
den Jüdischen Nationalfonds das Projekt "Kraichgau-Wald"
in Israel ins Leben gerufen hat. Derzeit arbeitet er mit dem Verein
an der Einrichtung eines Lernortes über das ehemalige jüdische
Leben und jüdische Kulturerbe des Kraichgaus in der ehemaligen
Eppinger Synagoge. .
Heitz hat auch Forschungsarbeiten
für Yad Vashem, Israels Holocaust-Gedenkstätte, durchgeführt
und ist Mitglied des Vorstandes der religionsübergreifenden Deutsch-Israelischen
Gesellschaft Rhein-Neckar/Mannheim.
"Er stellt
die Verbindung zu unserer Verantwortung für die deutsche Geschichte
her
, lässt es dabei aber nicht bewenden: Er sagt, dass wir
auch eine Verantwortung gegenüber den Juden von heute haben",
erzählt der pensionierte Pfarrer und Schuldekan Albrecht Lohrbächer,
der 1983 eine Partnerschaft und ein Austauschprogramm zwischen Weinheim
und der israelischen Stadt Ramat Gan ins Leben rief. "Heute bereitet
Eppingen eine Partnerschaft mit [der Stadt] Zichron Yaakov vor",
so Lohrbächer, 67. "Ich fände es gut, wenn sich mehr
Menschen wie Herr Heitz für eine andere Wahrnehmung Israels einsetzen
würden."
Im Laufe der Jahre
hat Heitz, der heute als Lehrer an der Albert-Schweitzer-Schule in Sinsheim
tätig ist, die Geschichte der Eppinger Juden Stück für
Stück zusammengetragen und enge Kontakte zu mehreren jüdischen
Familien in den USA und Israel geknüpft, deren Wurzeln in Eppingen
liegen. "Wir haben telefoniert und Briefe ausgetauscht, und mit
diesen Informationen ging ich dann in die Schule und in den Unterricht."
Daraufhin schufen
Heitz und seine Schüler ihre Website und das preisgekrönte
Buch, das 2006 herauskam. "Und aufgrund der Arbeit dieser Schüler
lud die Stadt Eppingen im Jahr 2002 schließlich die Überlebenden
ein", erzählt Heitz. "Es war wie ein Schneeballeffekt."
Heitz gab den jüdischen Besuchern die Informationen weiter, die
er über ihre Vorfahren gesammelt hatte. Er führte mit Juden
und Nichtjuden aus der Stadt Interviews, die auf Video aufgezeichnet
wurden, und erreichte die Umbenennung der örtlichen Realschule
nach einer ehemaligen jüdischen Mitbürgerin, Selma Rosenfeld
(1892-1984), die nach Kalifornien emigriert war. Seine Dokumentationsarbeit
"wird ein bleibendes Vermächtnis sein, nicht nur für
unsere Generation, sondern auch für zukünftige Generationen",
schreibt Kate W. Katz aus Pennsylvania, USA, in ihrer Empfehlung für
Heitz.
"Man kann sagen,
dass Michael Heitz Gewissen und Aktivist der Stadt Eppingen ist",
so Frank aus Kalifornien, der sich nicht zuletzt dank Heitz schließlich
überwinden konnte über die Vergangenheit zu sprechen. "In
allen [seinen] Aktivitäten hält Heitz sich stets bescheiden
im Hintergrund und überlässt Öffentlichkeit und Anerkennung
den Jugendlichen, die er so kompetent anleitet."
"Mein Ziel
ist es dafür zu sorgen, dass das, was hier passiert ist, nicht
in Vergessenheit gerät", so Heitz, der jedes Jahr eine Studienfahrt
zum ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück organisiert. "Unser
Schwerpunkt liegt jedoch auch darauf, gute Beziehungen zur zweiten und
dritten Generation aufzubauen und uns für eine positive Einstellung
zum Judentum und eine konstruktive Haltung zu Israel einzusetzen."
Es begann alles
vor 30 Jahren, als der 15-jährige Michael Heitz mit seiner Großmutter
ins Gespräch kam, nachdem andere Türen verschlossen geblieben
waren. Sie öffnete ihm die Augen! "Es war wie ein Wunder
[wie] alles zur Sprache kam", erinnert er sich.
Und seit dieser
Zeit engagiert Heitz sich dafür "auch anderen Menschen die
Augen zu öffnen."
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