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CHARLOTTE
MAYENBERGER
Bad Buchau, Baden-Württemberg
Vorgeschlagen von George Arnstein, Washington, DC; Ann Dorzback Louisville,
KY; Fred Einstein, West Orange, PA; Theodore Einstein, Silver Spring,
MD; und Hans Hirsch, Bethesda, MD
Bei ihrer Arbeit
als Fremdenführerin in ihrer Heimatstadt Bad Buchau wurde Charlotte
Mayenberger von jüdischen Besuchern aus dem Ausland immer wieder
gefragt: "Wissen Sie, ob es die Grabsteine unserer Vorfahren noch
gibt - und kennen Sie jemanden, der uns sagen könnte, wo wir sie
finden?"
"Das hat mich
dazu veranlasst, der Frage nachzugehen", so Mayenberger. 1990 begann
sie damit, alle 827 Grabsteine des kurz zuvor wiedereröffneten
Jüdischen Friedhofs zu fotografieren und Informationen über
die dort begrabenen Menschen zu sammeln. Zwei Jahre später wurden
die Fotos in einer Ausstellung präsentiert, und unter dem Titel
"Der Jüdische Friedhof Bad Buchau" erschien bald danach
eine CD mit einem vollständigen Katalog, der Grab für Grab
die Symbole und die historischen - teilweise durch Vandalismus beschädigten
- Inschriften erklärt. Auf diese Weise half Charlotte Mayenberger
Dutzenden von Menschen, ihre verstorbenen Familienmitglieder wiederzufinden
und erstmals etwas über sie zu erfahren.
"Ich habe es
einfach gemacht, weil niemand sonst es bis dahin gemacht hatte",
sagt sie. Die jüdische Geschichte der 4.000-Einwohner-Stadt in
Baden-Württemberg reicht über 600 Jahre zurück und ist
keine ganz gewöhnliche: So stammten Albert Einsteins Eltern von
hier, ebenso wie die Eltern des Physiologen Joseph Erlanger, der 1944
mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. Die Stadt war
nicht nur ein blühendes Zentrum der jüdischen Industrie und
Sitz des Distriktrabbinats, sondern verfügte über eine der
weltweit nur zwei oder drei Synagogen mit einer Glocke - ein Geschenk
aus dem 19. Jahrhundert vom philosemitischen König Wilhelm I.
Nach Meinung von Theodore Einstein, einem entfernten Cousin von Albert
Einstein, der in Silver Spring, USA, lebt, hat Charlotte Mayenbergers
"persönliche Energie und erfolgreiche Vernetzung die Erinnerung
an diese Gemeinde wieder wachgerufen."
Mayenberger hat
zahlreiche Artikel, Broschüren und Bücher geschrieben. Sie
hält Vorträge, produziert Videos und organisiert Ausstellungen
zu Bad Buchaus jüdischer Geschichte und bezeichnet sich selbst
als "Lehrerin, die nie studiert hat". Mayenberger, heute 51,
machte nach der Schule eine kaufmännische Ausbildung, heiratete
mit 20 Jahren und bekam drei Kinder. Alles, was sie über die jüdische
Kultur und Tradition weiß, hat sie sich durch "investigatives
Lesen" selbst angeeignet. Ihre Recherchen begannen in den 1980er
Jahren, als sie das Buchauer Stadtarchiv nach Informationen über
Moritz Vierfelder durchforstete. Vierfelder war ein ehemaliger Cafébesitzer
und Vorsitzer der jüdischen Gemeinde von Buchau, der 1940 in die
USA emigrierte und über Jahrzehnte hinweg mit seinem "Buchauer
Blättle" den Kontakt unter den jüdischen Emigranten aufrecht
erhielt. Mayenberger fand diese Geschichte so faszinierend, dass sie
beschloss, ein Buch über ihn zu schreiben: "Moritz Vierfelder:
Leben und Schicksal eines Buchauer Juden", das sie im Jahr 2000
herausbrachte.
Zu ihren weiteren
Werken gehört die Biographie des Holocaust-Überlebenden Oskar
Moos, "Von Buchau nach Theresienstadt: Dr. Oskar Moos (1869-1966)",
ihre DVD zur Jahrhunderte zurückreichenden Geschichte der Familie
Einstein (Einstein's Swabian Roots - Einsteins schwäbische Wurzeln)
sowie ihre vielleicht beeindruckendste Leistung, die CD "Die Buchauer
Synagoge: Eine virtuelle Rekonstruktion", auf der Mayenberger zusammen
mit örtlichen Architekturstudenten die berühmte Synagoge der
Stadt, die 1839 erbaut und in der Kristallnacht zerstört wurde,
graphisch rekonstruiert hat.
"Etwa die Hälfte
der 200 Bad Buchauer Juden starb in den Konzentrationslagern",
so Mayenberger, und es dauerte viele Jahre, bis die Einwohner bereit
waren sich an die jüdische Geschichte der Stadt zu erinnern - und
darüber zu reden. Sie selbst war ein Opfer des Schweigens: Mayenberger
erinnert sich daran, dass sie als Kind jeden Tag auf dem Weg zur Schule
an dem geschlossenen jüdischen Friedhof vorbeiging. "Niemand
sprach über den Friedhof oder dachte gar daran, ihn zu betreten.
Wir wussten nur, dass es ein jüdischer Friedhof war, mehr nicht."
"Früher
waren die Menschen vorsichtig und fragten nicht viel. ,Der Krieg ist
vorbei, lassen wir die Dinge ruhen', war die vorherrschende Haltung.
Jetzt stellen sie so viele Fragen, und es wird immer noch besser. So
viel mehr junge Leute interessieren sich für das Thema."
Mayenberger erinnert
sich an eine Führung im vergangenen Jahr, zu der zahlreiche Eltern
aus der Region mit ihren Kindern kamen. "So viele Menschen wollten
etwas über die jüdische Geschichte der Stadt erfahren. Sie
wissen so wenig", erklärt Mayenberger. Ein weiterer Erfolg
von Mayenberger ist die Einbindung von Kindern in die szenischen Lesungen,
die sie alljährlich zum Jahrestag der Kristallnacht organisiert.
Im Gegensatz zu früher freuen sich die Buchauer heute darüber,
"eine Verbindung zu den Namen und zur Geschichte herzustellen."
"Charlotte
Mayenberger ist das ,inoffizielle Archiv' für Dokumente und Fotos
zur ehemaligen jüdischen Gemeinde in Buchau", so Theodore
Einstein.
Und sie denkt keineswegs
daran, kürzer zu treten. Gerade ist sie mit den Vorbereitungen
zu einer Ausstellung im Jahr 2008 beschäftigt. Sie dokumentiert
die persönliche Geschichte der 200 Juden, die vor dem Krieg in
Bad Buchau lebten und immer noch "keine Biographien haben".
Irgendwann einmal würde sie - trotz aller Schwierigkeiten, auf
die sie dabei stößt - gerne ein Museum zum jüdischen
Erbe von Bad Buchau gründen.
"In der Schule
habe ich Lesen, Zuhören und Schreiben gelernt - das ist alles,
was ich brauche, um in den Archiven zu recherchieren und mit Menschen
zu sprechen", erklärt sie. Mayenbergers eigene Bibliothek
umfasst ungefähr 900 Bücher zu jüdischen Themen, und
sie ist auch sehr findig bei der Nutzung des Internets, um Informationen
zu ihren Forschungsthemen zu sammeln.
Charlotte Mayenberger kam auf indirektem Weg zu dem, was sie heute als
ihre Aufgabe begreift. Und das Motiv für die Fortsetzung ihrer
Arbeit zur Rettung und Erhaltung der jüdischen Geschichte von Bad
Buchau sieht sie ganz klar in der Zukunft:
"Es wäre
ein Verlust, wenn sie in Vergessenheit geraten würde - das ist
die Motivation für meine Arbeit", erklärt sie. "Und
damit nie wieder so etwas passieren kann."
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