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LARS
MENK
Berlin
Vorgeschlagen von Michael Bernet, New Rochelle, NY; and Gary Mokotoff,
Bergenfield, NJ
In seinem Beruf
als Briefträger muss Lars Menk aufpassen, dass er sich nicht durch
die Namen auf den Briefen ablenken lässt, die er zustellt - denn
er weiß viel über Namen. Menk hat über einen Zeitraum
von fast 10 Jahren annähernd 13.000 deutsch-jüdische Nachnamen
akribisch recherchiert und in einem 800 Seiten umfassenden Nachschlagewerk
zusammengetragen, das unter dem Titel "A Dictionary of German-Jewish
Surnames" (Lexikon deutsch-jüdischer Nachnamen) erschienen
ist. Wenn Menk daher heute auf seltene Varianten jüdischer Namen
stößt - oder auf Namen, die er noch nie gesehen hat und von
denen er glaubt, dass sie kurz vor dem Aussterben stehen könnten
- geht er manchmal nach Hause, recherchiert die Ursprünge des Namens
und nimmt mit den Namensträgern Kontakt auf, um mit ihnen über
ihr Familienerbe zu reden.
Als autodidaktischer
Ahnenforscher, der sich im Alter von 19 Jahren für seine eigenen
Wurzeln zu interessieren begann, studiert Menk heute die Bedeutung und
Herkunft von Namen, um anderen Menschen bei der Suche nach ihren Ursprüngen
zu helfen, damit sie - wie er selbst - im historischen und im geistigen
Sinne erfahren, wer sie sind.
"Wenn ich die
Abstammung eines Menschen studiere, versuche ich dabei auch den Gedanken
und Lebenswegen seiner Familie zu folgen. Ich möchte erfahren,
wo die Menschen gelebt, was sie getan haben; warum dieser oder jener
seinen Wohnort oder seine Arbeit gewechselt hat, warum er bestimmte
Entscheidungen traf", so Menk, der sich selbst als "mystische"
Person bezeichnet und mit einer mutig offenen Sensibilität spricht,
die man nur selten findet. "Die Menschen möchten Fakten [zu
ihren Familien] erfahren, und die kann ich ihnen geben. Aber diese Fakten
sind nur der Anfang."
Der Kritiker Ralph
Baer beschreibt das Buch, das 2005 bei Avotaynu erschien, dem weltweit
führenden Verleger jüdischer genealogischer Texte, als "das
bislang bedeutendste und nützlichste genealogische Nachschlagewerk
zum deutschen Judentum". Das Buch, das im Rahmen des National Jewish
Book Award in der Kategorie Nachschlagewerk mit einem Nebenpreis ausgezeichnet
wurde, erfasst die etymologische und geographische Herkunft Tausender
deutsch-jüdischer Namen, bezogen auf die Grenzen vor dem Ersten
Weltkrieg (einschließlich Ostpreußen, Teilen des Baltikums,
Schlesien und anderen Regionen). Der Leser kann einen Familiennamen
bis zu der Stadt oder dem Dorf in Deutschland zurückverfolgen,
wo dieser Name - oder eine Namensvariante - erstmals erwähnt wurde
und wann dies war. Manchmal reichen die Angaben zurück bis ins
14. Jahrhundert, aber meistens wird auf das frühe 19. Jahrhundert
Bezug genommen, ab dem Juden anstelle einer Familienidentifikation auf
Basis des väterlichen Vornamens einen Nachnamen angeben mussten.
Edwin Taub Richard,
ein pensionierter amerikanischer Ingenieur, der seit 20 Jahren in seiner
Familie Ahnenforschung betreibt, meint zu dem Buch: "Dieses Lexikon
ist eine großartige Quelle, wenn man Familienursprünge in
Deutschland sucht."
Als Menk 1988 in
den rheinland-pfälzischen Hunsrück fuhr, um nach Spuren seiner
Vorfahren zu suchen, die Viehhändler waren, ahnte er nicht, welches
Ausmaß dieses Projekt annehmen würde. Niemand in seiner Familie
hatte je jüdische Wurzeln erwähnt - ganz im Gegenteil, Menks
Großvater trat im Alter von 19 Jahren in die SA ein und wurde
Nationalsozialist. Doch dann entdeckte Menk bei seinen Recherchen im
Familienarchiv, dass eine seiner Ur-Ur-Großmütter Jüdin
gewesen war. Diese Offenbarung bewegte ihn zutiefst.
"Ich wollte
wissen, wo meine Wurzeln liegen, denn das ist es, was mich ausmacht
- all diese Einflüsse aus der Vergangenheit, die sich in meiner
Person vereinen", so Menk, der in Münster zunächst vier
Jahre Medizin studierte. Er hatte jedoch nie das Gefühl, zum Arzt
berufen zu sein, und brach das Studium schließlich ab. Da er sich
aber schon seit seiner Kindheit zur jüdischen Lehre und Religion
hingezogen gefühlt hatte, erschien es ihm jetzt nur folgerichtig,
sich diesem Zweig der Genealogie zuzuwenden: "Durch das Studium
meiner Vorfahren habe ich versucht, wie sie zu werden, wie sie zu denken,
herauszufinden, wie sie gelebt haben und was sie für eine Lebenseinstellung
hatten. Ich wollte erfahren, wer ich bin, indem ich ihren Einfluss auf
mein Leben untersuchte."
Schon bald ging
Menk mit derselben Intensität an die Recherchen zu Hunderten, später
Tausenden deutsch-jüdischer Familiennamen heran. 1984 kam er nach
Berlin, wo er an der Universität in verschiedene Studiengänge
hineinschnupperte, bevor er sich in den 1990er Jahren ganz seiner Passion,
der Genealogie, zuwandte. Er brachte sich im Selbststudium bei Hebräisch
zu lesen und spürte verborgene Bücher zur jüdischen Kultur
auf; und wann immer er auf ihm unbekannte Namen stieß, recherchierte
er den Ursprung und "verfolgte die [Familien-]Linie". Das
waren seine "Lehrjahre", erinnert er sich, als er bundesweit
die Archive durchforstete und anfing aufzubauen, was schließlich
zum Lexikon werden sollte.
"Ich habe diese
Arbeit geliebt", so der heute 45-jährige Menk zu seinen länderübergreifenden
Recherchen. "Ich habe Fotos gemacht. Ich habe Dokumente gesammelt.
Ich war einfach fasziniert und hatte Glück, dass ich in Deutschland
lebe, wo all diese Informationen verfügbar sind."
Seine tiefgehendsten
Recherchen führte Menk ironischerweise während seiner fünfjährigen
Tätigkeit als Wachmann bei der Berliner Handelskammer durch. Er
hatte Erfahrung im Umgang mit dem Internet und nutzte seine ruhigen
Arbeitszeiten, um Internetseiten wie jewishgen.org zu besuchen; an seinen
freien Tagen vergrub er sich lesend und Notizen machend in der Staatsbibliothek,
sodass er sich praktisch rund um die Uhr mit seinem Projekt beschäftigte.
Ermöglicht hat ihm dies vor allem auch seine Frau, eine Krankenschwester
aus Kasachstan, die ihn in dieser Zeit sowohl psychisch als auch finanziell
stets unterstützte. Denn Menk hat tatsächlich noch nie Geld
für die privaten Familienrecherchen genommen, die an ihn herangetragen
wurden - deshalb betrachtet er sich auch immer noch als Amateur: "Amateur
kommt von amare, lieben, denn ich liebe diese Arbeit."
"Ich hatte
Angst, dass ich die Liebe zur Forschung verlieren könnte, wenn
ich Geld nehme; dass das Geld meine Begeisterung zerstören würde",
so Menk. "Ich vergesse alles um mich herum, wenn ich an einem speziellen
Projekt arbeite: meine Realität; meine Arbeit; meine Familie. Ich
konzentriere mich dann nur [auf die Arbeit], als ginge es um meine eigene
Familie."
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