MORITZ SCHMID
ICHENHAUSEN, DEUTSCHLAND
(Herr Schmid verstarb am 3. August 2000)
Vorgeschlagen von Arnold Erlanger aus Melbourne, Australien

Arnold Erlanger wurde 1916 in Ichenhausen geboren. Unmittelbar nach der Kristallnacht wurde er festgenommen und in das Konzentrationslager
Buchenwald deportiert. Dort wurde er freigelassen und später in verschiedene andere Lager, einschließlich Auschwitz, deportiert. Während eines Marsches, der sein Todesmarsch hätte werden können, wurde er am 23. April 1945 von der amerikanischen Armee befreit. Im Jahre 1950 wanderte er nach Australien aus.

Arnold Erlanger ist stolz darauf, Moritz Schmid zu nominieren, der auch in
Ichenhausen aufwuchs. Moritz war drei Jahre jünger als Arnold Erlanger, aber Arnold erinnert sich lebhaft an die Familie, besonders die älteren Schmids, die sich leidenschaftlich dagegen wehrten, der Nazipartei beizutreten. Der Vater, Herr Schmid, wurde öffentlich dafür getadelt, daß er Kontakt mit Juden hatte. Er war ein Mann mit großer persönlicher
Zivilcourage.

Sein Sohn Moritz wurde schließlich Bürgermeister von Ichenhausen und
Mitglied des Kreistags. Weil er bereits in jungen Jahren intensiven Kontakt zu Juden hatte, war sich Moritz Schmid der Abscheulichkeiten, die während des Naziregimes passierten, besonders bewußt. Als die deutsche Bundesregierung beschloß, die restlichen Mauern der verfallenen Synagoge abzureißen, realisierte Schmid, daß wenn die Mauern erst einmal beseitigt wären, sie niemals mehr aufgebaut würden. Im Jahre 1953 gab es vor allem in Gemeinden ohne jüdische Bürger kein Geld für den Wiederaufbau von Synagogen. Er überzeugte den Stadtrat, das Gebäude für die Feuerwehr zu kaufen, solange bis Geld für eine Renovierung verfügbar sei.

Moritz Schmid machte es zu seiner Lebensaufgabe, die Synagoge zu restaurieren, um an die 164 der 166 Juden zu erinnern, die aus Ichenhausen
deportiert und schließlich ermordet wurden. Dieses Restaurierungsprojekt, das auch den Friedhof miteinschloß, entsprach auch den Wünschen seiner Eltern. Seit der offiziellen Eröffnung des “Haus der Begegnung” im Dezember 1987 besuchten über 120 000 Menschen die wiederaufge-baute Synagoge, die nun für Vorträge, Konzerte, Ausstellungen aus Israel und eine ständige Ausstellung mit dem Namen “Juden auf dem Lande” genutzt wird.

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