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BARBARA
STAUDACHER UND HEINZ HÖGERLE
Rexingen, Baden-Württemberg
Vorgeschlagen
von Tamara Blum, Tel Aviv, Israel; Menachem Gideon, Haifa, Israel; Kent
Hirschfelder, St. Louis, MO, USA; Rabbi Michael & Hanna Keller,
Jerusalem, Israel; Shlomo Mayer, Jerusalem, Israel; Mayor Peter Rosenberger,
Horb a.N.; Warren Rosenblum, Cambridge, MA, USA; Mimi Schwartz; Princeton,
NJ, USA; Israel Shapiro, Haifa, Israel; Johanna Zurndorfer, Riverdale,
NY, USA
Mancher Weg beginnt unerwartet. Bei Barbara Staudacher und Heinz Högerle
stand am Anfang ihrer Reise in die deutsch-jüdische Geschichte
der Umzug von Stuttgart ins Dorf Rexingen im Jahr 1999. Auf einem Hügel
in der Nähe ihres Hauses entdeckten sie eines Tages den jüdischen
Friedhof. Mit seinen etwa 1.000 Grabsteinen "gehört der Friedhof
zu den größten in Baden-Württemberg", erklärt
die 67-jährige Staudacher. "Unser Interesse war geweckt."
In der Folge tauchte
das Paar - eine ehemalige Buchhändlerin und ein Verleger - mit
vereinten Kräften tief in die jüdische Geschichte ihres Ortes
ein und veröffentlichte Bücher und andere Schriften über
das einstige jüdische Leben in Rexingen. Ihre fundierte Arbeit
trägt zur Bewahrung der Geschichte bei und stellt die Verbindung
ehemaliger Rexinger zur Vergangenheit ihrer Familien her.
Ebenso wichtig ist,
dass sie enge Kontakte zu jüdischen Familien, vor allem aus den
USA und Israel, knüpfen konnten, deren Wurzeln in Rexingen liegen.
Für Staudacher und Högerle ist es mehr als ein Lebenswerk.
In der Jugend "erfuhr
ich nichts über das Judentum", erklärt der 61-jährige
Högerle. "Ich kannte keine Juden. Und dann kamen wir nach
Rexingen und stellten plötzlich fest, dass es diese lebendige jüdische
Gemeinde gegeben hatte." Im Jahr 2000 traten sie dem "Träger-
und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen" bei, den Michael
Theurer, damals Bürgermeister der nahegelegenen Stadt Horb, 1997
gegründet hatte. Dank des Vereins war die Synagoge damals schon
wieder als solche hergestellt, nachdem sie jahrelang als Kirche genutzt
worden war.
Über die Juden
selbst gab es jedoch nur sehr wenige Informationen, und so machte sich
das Paar an die Recherche in den Archiven. Högerle arbeitete z.
B. an einer umfassenden, 424 Seiten starken Dokumentation zu den Gräbern
auf dem Friedhof: "In Stein gehauen. Lebensspuren auf dem Rexinger
Judenfriedhof".
Schließlich
reisten die beiden auch nach Amerika und Israel, auf der Suche nach
den Rexinger Juden und ihren persönlichen Schicksalen, denn sie
wollten nicht einfach nur Geschichte dokumentieren. Laut Theurer (43),
heute Mitglied des Europäischen Parlaments, waren Staudacher und
Högerle überzeugt, "dass es nicht genügt die ehemalige
Synagoge wiederherzustellen, den Friedhof zu dokumentieren und die Menschen
mit guten Vorträgen zu informieren. Wir sollten auch Kontakt zu
den Menschen aufnehmen, die fliehen mussten oder ihre Verwandten verloren.
Wir müssen versuchen wieder Freundschaft aufzubauen." Die
beiden fanden heraus, dass 1933 noch 262 Juden in Rexingen lebten. 1938,
als die Verfolgung durch die Nazis schärfer wurde, wanderte eine
Gruppe von 40 Juden gemeinsam nach Palästina aus und beteiligte
sich dort am Aufbau der Gemeinde Shavei Zion. "Sie wollten zusammenbleiben
und eine neue Gemeinde gründen - und diese Gemeinde besteht bis
heute", berichtet Staudacher.
Im Jahr 2001 kam
eine Gruppe ehemaliger Rexinger Mitbürger aus Israel zu Besuch,
gefolgt von einem Gegenbesuch des Paares Staudacher/Högerle im
darauffolgenden Jahr. Ihre Recherchen und Interviews mündeten in
eine Ausstellung und später in ein wunderschönes Buch, das
die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Rexingen über Hunderte
von Jahren dokumentiert, bis hin zur Gründung von Shavei Zion.
Zur Eröffnung
der Ausstellung im Jahr 2008 reisten aus Israel 20 Menschen aus 4 Generationen
an, deren Wurzeln in Rexingen liegen; um die 600 Besucher kamen aus
der Region. Staudacher und Högerle führten die israelischen
Besucher zu den Gräbern ihrer Familien und zu den Häusern,
in denen sie gelebt hatten. Mitgebracht hatten sie Fotoposter von den
ursprünglichen Bewohnern dieser Häuser. "Vor jedem Haus,
zu dem wir kamen, stellten Barbara und Heinz eines der Poster auf eine
Staffelei und erzählten die Geschichte der Bewohner", erinnert
sich Israel Shapiro aus Haifa, Israel, in seinem Nominierungsschreiben.
"Es erübrigt sich zu sagen, dass alle zutiefst bewegt waren."
Seitdem wurde die
Ausstellung an vielen Orten in Deutschland sowie in Jerusalem und Shavei
Zion gezeigt. Das Paar ergänzt die Ausstellung kontinuierlich mit
weiteren Informationen, die sich durch den stetig wachsenden Kreis von
Kontaktpersonen und persönliche Beziehungen ergeben. "Für
uns ist dieser emotionale Prozess sehr spannend, der zwischen den drei
Ländern - Israel, Deutschland und Amerika - in Gang gekommen ist",
so Högerle. "Die Verbindungen sind inzwischen sehr eng",
fügt Staudacher hinzu, die auch jüngere Menschen für
die Fortführung ihrer Arbeit gewinnen möchte.
Neben der Dokumentation
zum Rexinger Friedhof und ihren regelmäßig erscheinenden
Newslettern und Schriften zu wichtigen Orten haben Staudacher und Högerle
auch zahlreiche weitere Publikationen herausgebracht, z. B. ein 300
Seiten umfassendes, großzügig bebildertes Buch zum Leben
in Shavei Zion und zur 70-jährigen Geschichte der Gemeinde (zweisprachig
Deutsch und Hebräisch), eine Dokumentation zum Friedhof im nahegelegenen
Muhringen sowie Broschüren zu den jüdischen Flüchtlingen
aus Rexingen und über die örtlichen jüdischen Viehhändler.
Doch damit sind
Staudacher und Högerle noch längst nicht am Ziel: "Es
ist immer noch ein großer Berg an Forschungsarbeit zu bewältigen",
meint Högerle. In diesem Winter fotografiert und interviewt ein
Fotograf ehemalige Rexinger in Amerika. In einem ehemaligen jüdischen
Betsaal in Horb soll ein neues Museum eingerichtet werden, und derzeit
entsteht ein lokales Netzwerk von Lehrern, die sich dafür einsetzen,
jüdische Lokalgeschichte in den Lehrplan aufzunehmen. Gemeinsam
mit Theurer haben Staudacher und Högerle bereits verschiedenste
kulturelle und Bildungsveranstaltungen zur Geschichte der Juden in Horb
sowie einen Schüleraustausch mit Israel ins Leben gerufen. Die
deutschen Schüler helfen auch bei der Pflege des jüdischen
Friedhofs in Rexingen auf dem Hügel, an dessen Fuß Staudacher
und Högerle leben.
"Sie haben
hier wirklich etwas verändert", erklärt Theurer: "Sie
haben die Herzen der Familien in Rexingen ebenso geöffnet wie die
Herzen der Familien von Shavei Zion und deren Nachkommen, und sie haben
die Menschen zusammengeführt."
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