Donnerstag, 27. Januar 2005

Obermayer Award wird heute verliehen
Fünf nicht-jüdische Deutsche werden für ihr Engagement gegen das Vergessen jüdischen Lebens geehrt


Jury-Mitglied Sara Nachama
Foto: J. Schulz

Anläßlich des 60. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz wird heute der deutsch-jüdische Geschichtspreis Obermayer German Jewish History Award zum fünften Mal im Abgeordnetenhaus verliehen. Gewürdigt wird in diesem Jahr auch der Kölner Künstler Gunter Demnig, der seit zwölf Jahren knapp 5000 "Stolpersteine" auf Gehwegen in 70 deutschen Städten zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gesetzt hat.

Ebenfalls geehrt für ihr Engagement werden Heinrich Nuhn aus Rotenburg/Fulda, Wolfram Kastner aus München, Ilse Vogel aus Uechtelhausen und Robert Krais aus Ettenheim am Oberrhein. Der Obermayer German Jewish History Award soll Brücken bauen - über den Graben, den der Nationalsozialismus zwischen Juden und Nicht-Juden gerissen hat. Der Preis ist mit insgesamt 5000 Euro dotiert und geht an nicht-jüdische Deutsche, die auf freiwilliger Basis herausragende Beiträge leisten, um jüdische Kultur in ihrer Heimatgemeinde zu bewahren. Initiator des Preises ist der jüdische US-Amerikaner Arthur Obermayer.

"Gerade diese unbesungenen Helden, die weitgehend von der Öffentlichkeit unbeachtet gegen das Vergessen und Verdrängen des Holocausts arbeiten, verdienen unsere Würdigung", sagt Sara Nachama, Jury-Mitglied und Direktorin der amerikanisch-jüdischen Privatuniversität Touro College in Berlin. Die vielen Gedenkveranstaltungen anläßlich des 60. Jahrestages der Auschwitz-Befreiung seien wichtig und geboten anläßlich des Datums. Aber Arbeit, wie die der Preisträger, sorge für die nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust, weil sie die heutige Generation direkt vor Ort mit der Vergangenheit konfrontiere und Betroffenheit herstelle. In diesem Sinne, fordert Sara Nachama, müßten auch Lehrpläne der Schulen überarbeitet werden, damit das Bewußtsein für das geschehene Unrecht besser in der Gesellschaft verankert werden könne.

Angesichts erstarkender rechtsextremer Tendenzen wie dem Wahlerfolg der NPD in Sachsen plädiert Sara Nachama für eine offensive Auseinandersetzung mit NPD-Vertretern in der Öffentlichkeit, um deren Propaganda als falsch zu entlarven.

Schoe

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