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Jüdischem Leben ein Gesicht geben
Fünf Deutsche für
ihr Engagement gegen das Vergessen des Holocaust in Berlin mit Obermayer
Award ausgezeichnet
Von Katrin Schoelkopf
28 Januar 2005
Seit dem Jahr 2000
werden anläßlich der Befreiung von Auschwitz die Obermayer
German Jewish History Awards verliehen. Gewürdigt wurden gestern
im Berliner Abgeordnetenhaus fünf nichtjüdische Deutsche, die
weitgehend unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit in ihren Heimatgemeinden
gegen das Vergessen des Holocaust arbeiten und einstigem jüdischen
Leben wieder ein Gesicht geben. Ein Ereignis, das in Zeiten, in denen
Nazis es wieder wagten, sich öffentlich zum Faschismus zu bekennen,
ermutigend sei, sagte Parlamentspräsident Walter Momper (SPD) gestern.
Zu den Preisträgern
gehört der Kölner Künstler Gunter Demnig, der seit zwölf
Jahren auf Gehwegen in 70 deutschen Städten knapp 5000 "Stolpersteine"
zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gesetzt hat. "Mit
den Steinen bringen wir die Namen der Opfer und die Erinnerung an deren
Schicksal dorthin, wo diese Menschen ihre Heimat hatten", sagt der
57jährige Gunter Demnig.
Heinrich Nuhn aus
Rotenburg/Fulda deckte die verschwiegenen Nazi-Verbrechen in seiner Heimatstadt
auf und erforschte gleichzeitig die jüdische Vergangenheit seiner
Stadt. Diese ist durch das Engagement des 66 Jahre alten Lehrers in Rotenburg
heute gut bekannt und weitgehend akzeptiert.
Auch der 57 Jahre
alte Künstler Wolfram Kastner aus München will das individuelle
Schicksal jüdischer Menschen würdigen. Mit gezielten Provokationen,
wie zum Beispiel dem Legen von Brandspuren auf öffentlichem Grün
zur Erinnerung der Bücherverbrennungen von 1933, will er gegen das
Vergessen aufrütteln. Ilse Vogel aus Üchtelhausen in Bayern
arbeitete die jüdische Geschichte ihres Heimatortes Diespeck auf
und läßt jüdisches Leben nicht in Vergessenheit geraten.
"Ich will die Wurzeln wieder wässern", sagt die 65jährige,
die Vorträge hält und Dorffeste gegen das Vergessen organisiert.
Der 63jährige
Robert Krais aus Ettenheim am Oberrhein war bei Olympia 1972 in München
Betreuer der Israelis im Jugendlager. Das Attentat auf elf israelische
Sportler nennt er ein Schlüsselerlebnis, das ihn dazu bewegte, den
Jugendaustausch und damit die Verständigung zwischen Israel und Deutschland
regelmäßig zu fördern. Anläßlich der Preisverleihung
warnte der Historiker Michael Wolffsohn in seiner Festrede vor der Wehrlosigkeit
des demokratischen Deutschlands gegenüber einem aggressiver werdenden
Rechtsextremismus. Bei allem gutem Willen von 85 Prozent der Deutschen,
Faschismus nie wieder aufleben lassen zu wollen, gebe es immer noch 15
Prozent - zwölf Millionen Deutsche - des alten, unbelehrbaren Deutschland.
Angesichts des in der deutschen Demokratie nicht durchsetzbaren NPD-Verbots,
müsse gefragt werden, ob den Feinden der Toleranz weiterhin Toleranz
gewährt werden könne.
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