Freitag, 28. Januar 2005

Ein Preis statt langer Reden

Marlies Emmerich

Eine der bedeutendsten internationalen jüdischen Auszeichnungen, der "German Jewish History Award", wurde nach Redaktionsschluss dieser Zeitung am Donnerstagabend im Abgeordnetenhaus verliehen. Dazu hatte sich natürlich vor allem jüdische Prominenz angesagt, wie etwa Sara Nachama, Direktorin des ersten jüdisch-amerikanischen Touro-College in Berlin. Die Uni-Direktorin gehört neben dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Walter Momper, zu einer siebenköpfigen Jury, die seit 2000 jedes Jahr die fünf Preisträger auswählen, die sich herausragend um jüdische Kultur verdient gemacht haben. Geehrt werden dabei ausschließlich Nichtjuden. Der Geldgeber des Awards, Arthur S. Obermayer, Mitglied der American Jewish Historical Society, reiste zur Verleihung eigens aus Boston an.

Der Preis der Obermayer Foundation wird jeweils am Tag der Befreiung von Auschwitz verliehen, am 27. Januar. Und erhalten sollen ihn erster Linie solche Personen, die sich weniger durch Reden, sondern vielmehr durch Taten hervorgetan haben.

Zu diesem Personenkreis gehört nach Auffassung der Jury unbedingt Gunter Demnig. Der Kölner Künstler und Preisträger des Jewish Award 2005 lässt seit zwölf Jahren in mehr als 70 Städten 5 000 so genannte Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des NS-Regimes anbringen. Beifall gab es dafür bei der Festveranstaltung im Preußischen Landtag. Anders erging es ihm in jüngster Zeit in München. Dort ist Demnig zuletzt auf massiven Widerstand gestoßen. Sein Kunstprojekt hat der hiesige Stadtrat jedenfalls abgelehnt.

Gespannt warteten die Zuhörer - auch - deswegen am Abend auf Festredner Michael Wolffsohn. Schließlich ist der streitbare Mann Historiker und Professor an der Bundeswehrhochschule in München.

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