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Hohe Auszeichnung für
Holocaust-Pionier
Dr. Michael Dorhs erhält Deutsch-Jüdischen Geschichtspreis
Von
Thomas Thiele
26 Januar 2009
Hofgeismar. Wenn Michael
Dorhs von seinem Schreibtisch aufblickt, sieht er zuerst eine große
Fotocollage - mit zahllosen Porträts von Menschen, denen er 1993
bei seiner ersten Israel-Reise begegnet ist. Sie dokumentieren, dass Kontakte
und Gespräche, ja Freundschaften zwischen Deutschen und Juden möglich
sind. Trotz des Holocausts, der Judenvernichtung im Dritten Reich. Heute,
am Holocaust-Gedenktag, wird dem 48-jährigen Dr. Dorhs im Berliner
Abgeordnetenhaus der angesehene Deutsch-Jüdische Geschichtspreis,
der Obermayer German Jewish History Award, verliehen.
Als Theologiestudent
half Michael Dorhs beim Aufbau einer Abteilung für jüdische
Geschichte im Hofgeismarer Stadtmuseum. 1982 wollte er die Rolle der Juden
in Hofgeismar erforschen, doch es gab kaum Aufzeichnungen und kaum jemand
mochte darüber sprechen. Der Umweg über den Arbeitstitel "Kirche
im 3. Reich" öffnete dann bei den heutigen Hofgeismarern doch
manche Erinnerung. "Zuvor haben viele nur getuschelt und ihre Krallen
ausgefahren", erinnert sich Michael Dorhs an die Anfänge.
Ganze Lebensgeschichten
Dorhs, dessen Talent
Museumsleiter Helmut Burmeister erkannte und förderte, begann eine
Fleißarbeit, die ihn dann auch Beziehungen zu über 100 ehemaligen
jüdischen Mitbürgern in aller Welt knüpfen ließ.
Der Adressentausch wurde zum Schneeballsystem. Manche schickten ihm nur
wenige Worte, andere ihre ganze Lebensgeschichte. Wie Meta Frank, deren
von Dorhs herausgegebenen Erinnerungen für ihn bis heute die wichtigste
Veröffentlichung sind. Und Dorhs hat schon hunderte Zeitungsartikel
und sieben Bücher zur jüdischen Geschichte in der Region Nordhessen
herausgebracht.
Die ergreifende Bilderschau
mit Fotos und Lebensdaten ehemaliger, meist ermordeter jüdischer
Mitbürger, die am 9. November in der Altstädter Kirche zu sehen
war, kam nur durch Dorhs jahrelange Arbeit zu Stande. Vorher gab es diese
Bilder in Hofgeismar nicht.
Stolz und gerührt
macht Dorhs vor allem die Tatsache, dass alle drei Söhne Meta Franks
mit ihren Familien ihn für den Obermayer Award vorgeschlagen haben.
Und zwei der Söhne mit ihren Frauen wollen eigens zur Preisverleihung
nach Berlin reisen.
Dorhs spürt vor
allem bei Besuchen von Schulklassen, dass das Samenkorn austreibt, das
er gelegt hat. Jetzt träumt er davon, seine Forschungen per Internet
überall zugänglich zu machen. Denn es gibt immer noch Menschen,
die nach Spuren ihrer jüdischen Angehörigen suchen.
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