27.01.09
Wichtiger deutsch-jüdischer Geschichtspreis
Drei Nordhessen für Engagement ausgezeichnet


Die Urkunde des Obermayer Awards
Der Holocaustgedenktag 2009 wird drei Nordhessen besonders stark im Gedächtnis bleiben: Im Bundestag erhalten Michael Dorhs aus Hofgeismar und das Ehepaar Klein aus Volkmarsen den "Obermayer German Jewish History Award", weil sie sich für den Erhalt der lokalen jüdischen Geschichte engagieren.

Der evangelische Theologe Michael Dorhs engagiert sich seit seinen Studienjahren gegen das Vergessen: Damals half er beim Aufbau einer Abteilung für jüdische Geschichte im Museum Hofgeismar. Nur 20 Bücher konnten gefunden werden. Dorhs schaltete weltweit Anzeigen, in denen er Holocaust-Überlebende und die Nachkommen ehemals jüdischer Bürger aus der Region Nordhessen bat, sich mit ihm in Verbindung zu setzen und ihre Geschichte zu erzählen.

Heute, nach fast 30 Jahren. liegen Dutzende von Artikeln und sieben Bücher zur lokalen jüdischen Geschichte vor, die Dorhs publiziert hat. "Ich möchte, dass deutsche Nichtjuden das Judentum als einen Teil und eine Wurzel unserer eigenen Religion, unserer Kultur wahrnehmen. Das ist nicht ihre Geschichte, es ist auch unsere Geschichte", so Dorhs (48). Neben der sorgfältig zusammengetragenen umfangreichen Sammlung von Daten, persönlichen Gegenständen, Fotos und Dokumenten hat Dorhs im Stadtmuseum Hofgeismar einen Raum eingerichtet, in dem eine große Zeittafel die Schicksale der ehemaligen jüdischen Bürger der Region dokumentiert.

Ernst und Brigitte Klein, Volkmarsen

Seit 1985 hat sich das Ehepaar Klein für den Aufbau von deutsch-jüdischen Beziehungen engagiert. Sie gründeten zusammen mit Interessierten den gemeinnützigen Verein "Rückblende – Gegen das Vergessen e.V." Die engagierten Bürger stellten den jüdischen Friedhof der Stadt wieder her und bauten ein Informationszentrum zur jüdischen Geschichte auf. Als Hauptaufgabe ihrer Arbeit sehen sie aber die Suche nach Angehörigen ehemaliger Volkmarser Juden an. Daraus haben sich schon enge Verbindungen ergeben. Seit 1996 besuchen jüdische Familien aus aller Welt, von Australien bis Israel, von Seattle bis New York auf Initiative des Vereins die nordhessische Stadt. Während dieser Begegnungswochen sind die Besucher privat untergebracht. Freundschaften sind entstanden und vor allem - Gesichten sind erzählt worden, die vorher keiner auch nur erahnte.

Heute hat der Verein mit seinen über 125 Mitglieder in 30 Orten der Region viel erreicht: Der Eingang des Volkmarser jüdischen Friedhofs, auf dem die Nationalsozialisten im Krieg 118 Grabsteine zerstört hatten, ist neu gestaltet, eine 18 Meter lange Gedenkmauer erinnert an die während der Shoah ums Leben gekommenen Juden.

Ernst und Brigitte Klein halfen bei Einrichtung einer Geschichtswerkstatt zum Thema der Volkmarser Juden, in der eine Ständige Ausstellung Dokumente und Geschichten von Überlebenden zeigt. Sie sind für ihre Arbeit schon geehrt worden: Im November 2008 erhielten beide die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und Ernst Klein das Verdienstkreuz am Bande.

Die Auszeichnung

Mit dem "German Jewish History Award" werden Deutsche geehrt, die aus eigener Initiative herausragende Beiträge zur Dokumentation jüdischer Geschichte und Kultur in Deutschland leisten. Die Auszeichnung trägt den Namen des jüdischen Geschäftsmannes Arthur Obermayer, dessen Eltern in den 30er Jahren aus Deutschland in die USA auswanderten. Mit seiner in den USA angesiedelten Stiftung will Obermayer das Ansehen der Deutschen im Ausland verbessern. Der Preis ist dotiert, über die Höhe macht die Obermayer-Foundation keine Angaben. An dem Festakt im Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses nimmt auch der Unternehmer und Präsident der Stiftung, Arthur Obermayer, teil.

Neben Michael Dorhs und dem Ehepaar Klein werden 2009 Hans-Dieter Arntz (Euskirchen), Klaus Dietermann (Netphen) und Bernhard Gelderblom (Hameln) ausgezeichnet.