|
27.01.09
Der evangelische Theologe Michael Dorhs engagiert sich seit seinen Studienjahren gegen das Vergessen: Damals half er beim Aufbau einer Abteilung für jüdische Geschichte im Museum Hofgeismar. Nur 20 Bücher konnten gefunden werden. Dorhs schaltete weltweit Anzeigen, in denen er Holocaust-Überlebende und die Nachkommen ehemals jüdischer Bürger aus der Region Nordhessen bat, sich mit ihm in Verbindung zu setzen und ihre Geschichte zu erzählen. Heute, nach fast 30
Jahren. liegen Dutzende von Artikeln und sieben Bücher zur lokalen
jüdischen Geschichte vor, die Dorhs publiziert hat. "Ich möchte,
dass deutsche Nichtjuden das Judentum als einen Teil und eine Wurzel unserer
eigenen Religion, unserer Kultur wahrnehmen. Das ist nicht ihre Geschichte,
es ist auch unsere Geschichte", so Dorhs (48). Neben der sorgfältig
zusammengetragenen umfangreichen Sammlung von Daten, persönlichen
Gegenständen, Fotos und Dokumenten hat Dorhs im Stadtmuseum Hofgeismar
einen Raum eingerichtet, in dem eine große Zeittafel die Schicksale
der ehemaligen jüdischen Bürger der Region dokumentiert. Heute hat der Verein mit seinen über 125 Mitglieder in 30 Orten der Region viel erreicht: Der Eingang des Volkmarser jüdischen Friedhofs, auf dem die Nationalsozialisten im Krieg 118 Grabsteine zerstört hatten, ist neu gestaltet, eine 18 Meter lange Gedenkmauer erinnert an die während der Shoah ums Leben gekommenen Juden. Ernst und Brigitte
Klein halfen bei Einrichtung einer Geschichtswerkstatt zum Thema der Volkmarser
Juden, in der eine Ständige Ausstellung Dokumente und Geschichten
von Überlebenden zeigt. Sie sind für ihre Arbeit schon geehrt
worden: Im November 2008 erhielten beide die Verdienstmedaille des Verdienstordens
der Bundesrepublik Deutschland und Ernst Klein das Verdienstkreuz am Bande. Mit dem "German Jewish History Award" werden Deutsche geehrt, die aus eigener Initiative herausragende Beiträge zur Dokumentation jüdischer Geschichte und Kultur in Deutschland leisten. Die Auszeichnung trägt den Namen des jüdischen Geschäftsmannes Arthur Obermayer, dessen Eltern in den 30er Jahren aus Deutschland in die USA auswanderten. Mit seiner in den USA angesiedelten Stiftung will Obermayer das Ansehen der Deutschen im Ausland verbessern. Der Preis ist dotiert, über die Höhe macht die Obermayer-Foundation keine Angaben. An dem Festakt im Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses nimmt auch der Unternehmer und Präsident der Stiftung, Arthur Obermayer, teil. Neben Michael Dorhs und dem Ehepaar Klein werden 2009 Hans-Dieter Arntz (Euskirchen), Klaus Dietermann (Netphen) und Bernhard Gelderblom (Hameln) ausgezeichnet. |