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Berliner erhält Obermayer
Award
Stiftung des US-Amerikaners Arthur Obermayer würdigt
Beiträge zur jüdischen Kultur und Geschichte
Von Katrin Schoelkopf
28.01.2004
Der Obermayer German
Jewish History Award soll Brücken bauen - über den Abgrund,
den der Nationalsozialismus zwischen Juden und Nicht-Juden aufgerissen
hat. Er soll den jüdischen Beitrag zur deutschen Kulturgeschichte
ehren, an den Holocaust erinnern und das Bewusstsein für deutsch-jüdisches
Zusammenleben in der Vergangenheit mit Blick auf die Zukunft schärfen.
Anlässlich des
Jahrestages der Befreiung von Auschwitz 1945 wurde der deutsch-jüdische
Geschichtspreis gestern im Abgeordnetenhaus zum vierten Mal verliehen.
Gewürdigt werden in diesem Jahr der Wiesbadener Lehrer Lothar Bembenek
gemeinsam mit Dorothee Lottmann-Kaeseler, der Berliner Arzt Klaus-Dieter
Ehmke, die Bibliothekarin Cordula Kappner aus Hassfurt in Bayern, der
Hamburger Archivar Jürgen Sielemann und die Psychoanalytikerin Christiane
Walesch-Schneller aus Breisach am Rhein.
Der Preis ist mit
insgesamt 5000 Euro dotiert und geht an nicht-jüdische Deutsche,
die auf freiwilliger Basis herausragende Beiträge leisten, um die
jüdische Geschichte, Kultur und überlieferte Zeugnisse in ihrer
Heimatgemeinde zu bewahren. Er ist einer der bedeutendsten internationalen
Auszeichnungen und bietet nach Ansicht der Obermayer-Stiftung Gelegenheit
für die weltweit jüdische Gemeinschaft, Leistungen deutscher
Bürger anzuerkennen. Dies sei notwendig, da in den US-amerikanischen
Medien nur über Rechtsextreme berichtet werde und man nichts von
den "guten Deutschen" erfahre, sagte der Initiator des Preises,
der jüdische US-Amerikaner und Bostoner Unternehmer Arthur Obermayer.
"Es gibt viele
Deutsche, die in ihrem unmittelbaren Umfeld aktiv sind, ohne dazu aufgefordert
worden zu sein", so Obermayer. Viele Deutsche seien im Zweispalt
über die Art des Umgangs mit der Vergangenheit. Eine allgemein gültige
Antwort auf diese Frage gebe es aber nicht. "Es gibt nur Antworten
für jeden Einzelnen." Die Preisträger hätten diese
gefunden.
Der 57-jährige
Lothar Bembenek gründete das Aktive Museum Spiegelgasse für
Deutsch-Jüdische Geschichte in Wiesbaden, das von Dorothee Lottmann-Kaeseler
geleitet wird. Der 45-jährige Klaus-Dieter Ehmke aus Berlin entdeckte
in seinem Heimatdorf Niederhof in Mecklenburg-Vorpommern den örtlichen
jüdischen Friedhof und rettete ihn vor dem Verfall. Die 62-jährige
Cordula Kappner erforscht seit 20 Jahren die deutsch-jüdische Geschichte
ihrer fränkischen Heimat und dokumentierte diese - mitunter gegen
den Widerstand der Haßfurter - in Ausstellungen und Publikationen.
Der 59-Jahre alte Archivar im Hamburger Staatsarchiv, Jürgen Sielemann,
gründete Deutschlands erste und einzige Gesellschaft für jüdische
Genealogie. Die 53-jährige Christiane Walesch-Schneller rettete im
badischen Breisach das einstige jüdische Gemeindehaus, das Blaue
Haus, vor dem Abriss.
Parlamentspräsident
Walter Momper (SPD) sagte gestern: " Der Preis verbindet Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft in besonderer Weise."
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