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26.01.2006
Spurensuche
mit Erfolg
Ehrungen für engagiertes Geschichtsbewusstsein
Berlin--Als Robert
Kreibig das verfallene Haus vor acht Jahren auffiel, wusste kaum noch
jemand, wozu es einmal gut war. Einige Bewohner des kleinen mecklenburgischen
Ortes Röbel konnten sich erinnern, dass es als Garage genutzt wurde.
Der in Berlin wohnende Kreibig, ein studierter Psychologe und Volkswirtschaftler,
fand heraus, dass sich in dem Gebäude vor dem Krieg eine Synagoge
befunden hatte. Weil Kreibig nicht lockerließ, ist die Synagoge
heute restauriert und Teil eines Jugendbildungszentrums.
Dafür wurde Robert
Kreibig gestern im Abgeordnetenhaus zusammen mit fünf weiteren engagierten
Menschen mit dem German Jewish History Award ausgezeichnet. Der Preis
der amerikanischen Obermayer-Stiftung wurde zum sechsten Mal vergeben.
Mit der Preisverleihung im Plenarsaal beging das Berliner Abgeordnetenhaus
den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, der offiziell
am Freitag stattfindet, wenn sich die Befreiung des Vernichtungslagers
Auschwitz zum 61. Mal jährt.
"Deutschland
hat die am schnellsten wachsende jüdische Gemeinde auf der ganzen
Welt", sagte Arthur Obermayer. Er freut sich darüber. Obermayer
besitzt in Boston ein Hightech-Unternehmen, seine jüdischen Großeltern
stammten aus dem Schwäbischen. Als er Mitte der 90er Jahre nach Deutschland
kam, um nach ihren Spuren zu suchen, traf er viele Menschen, die die jüdische
Geschichte ihres Ortes erforschten oder sich um die Erhaltung von jüdischen
Friedhöfen und Synagogen kümmerten. Das wunderte Obermayer,
"zumal sie das aus purem Interesse taten; nicht etwa, um ein Uni-Diplom
zu bekommen oder Geld". Dieses Engagement fördert Obermayer
mit dem German Jewish History Award.
In einer eindringlichen
Rede beschwor der Berliner Ehrenbürger Edzard Reuter die Verpflichtung
der Deutschen, die Erinnerung an die einzigartigen Verbrechen an den Juden
wachzuhalten - "auch wenn es wahrscheinlich nicht wenige Bürger
gibt, die davon nicht mehr allzu viel hören wollen". "Der
Tod ist ein Meister aus Deutschland", diese Zeile aus Paul Celans
Todesfuge, verkörpere eine Wahrheit, der sich keiner in Deutschland
entziehen könne. Deshalb müsse man die Orte der Verbrechen und
des Gedenkens als Mahnung aufrecht erhalten. An die Adresse der Politiker
sagte Reuter: "Leere öffentliche Kassen dürfen nicht als
Vorwand zur Nachlässigkeit gelten." Leider waren nur etwa ein
Dutzend Abgeordnete zur Feierstunde gekommen.
Albert Meyer, bis
vor kurzem Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Berlin, gratulierte
den Preisträgern im Rahmen des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Er erinnerte daran, wie viele Deutsche weggeschaut haben. "Hat die
Einschränkung der Freiheit der Juden nicht ausgereicht? Warum hat
die Bevölkerung nicht reagiert? Musste es noch zu Auschwitz kommen?"
Das Bewusstsein für diese Geschichte müsse auch heute der Eckpfeiler
der Integration der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland bleiben.
--Claudia Keller
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