"Anerkennung von kompetentester Seite"

Die Vlothoer Helmut Urbschat und Manfred Kluge werden in Berlin mit dem "German Jewish History Award" geehr

Vlotho (va). Die langjährige Erinnerungsarbeit der Vlothoer Mendel-Grundmann-Gesellschaft wird jetzt mit einem ganz besonderen Preis gewürdigt: Helmut Urbschat und Manfred Kluge nehmen am kommenden Mittwoch den "German Jewish History Award" in Berlin entgegen.

Von Oliver Plöger
18.01.2008


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Die Einladung kam von Walter Momper als Präsident des Abgeordnetenhauses Berlin und von Dr. Arthur S. Obermayer, Präsident der Obermayer Foundation in Boston, USA. Mit dem Preis sollen deutsche Bürger geehrt werden, die - so heißt es von der Obermayer Foundation - "auf freiwilliger Basis in ihren Heimatorten einen herausragenden Beitrag zur Bewahrung des Gedenkens an jüdische Vergangenheit - ihrer Geschichte und Kultur, ihrer Friedhöfe und Synagogen - geleistet haben." Voraussetzung für die Preisverleihung sei, dass die Preisträger von Juden vorgeschlagen werden. Im Vlothoer Fall von Sue Alterman-Moss (Mosheim), die mit ihrem Mann Leonard an der jüngsten Vlothoer Stolperstein-Aktion teilgenommen hatte, Nancy Moss-Cohen und der hochbetagten Mutter Ingrid Moss. Sue Alterman-Moss wollte im März dabei sein, als das Pflaster vor der ehemaligen Papierfabrik durch Steine ersetzt wurde, die dauerhaft an ihre durch die Nazis getöteten Verwandten erinnern sollen (VA berichtete). Und sie wird - wieder gemeinsam mit ihrem Mann - auch an die Verleihung des Obermayer-Preises im Abgeordnetenhaus in Berlin teilnehmen. Als zweiter Vorsitzender der Mendel-Grundmann-Gesellschaft wird auch Pfarrer Ralf Steiner in die Hauptstadt fahren.

Eine erste Anerkennung der Stiftung für Helmut Urbschat und Manfred Kluge gab es bereits im vorigen Jahr ("Certificate of Commendation"), diesmal folgt die eigentliche Auszeichnung, die in gleicher Wertigkeit noch an vier weitere Personen vergeben wird. Für die beiden Vlothoer steht fest: Auch das Engagement für die Stolpersteine habe dazu beigetragen. Gunter Demnig, der die Steine verlegt, gehörte in den vergangenen Jahren bereits zu den Geehrten.


"Dieser Preis", so Helmut Urbschat, "ist eine besondere Ehrung für uns. Damit wird unsere langjährige und kontinuierliche Erinnerungsarbeit zur jüdischen Geschichte Vlothos von kompetentester Seite, nämlich von jüdischer Seite, anerkannt. Dies ist eine besondere Ermutigung für uns, die Arbeit mit gleichem Engagement fortzusetzen."

Helmut Urbschat gehörte 1965 zu den Mitbegründern der ersten Mendel-Grundmann-Gesellschaft. Kontakte, so sagt er, waren von Anfang an wichtig: In Vlotho wurde er zum Ansprechpartner für ehemalige jüdische Mitbürger. Der Journalist Wilhelm "Bubi" Tölle schlug ihm damals vor, auch den Kontakt zu Stephen Hans Loeb aufzunehmen, Sohn der Kaufmannsfamilie Loeb. Und Stephen Hans Loeb sprach 1969 bei der Einweihung des Mahnmals für die Vlothoer Holocaust-Opfer.

Versöhnungswoche mit 21 jüdischen Gästen

Seit 1974 war es einige Jahre still um die Mendel-Grundmann-Gesellschaft geworden, 1988 gab es eine Neugründung, jetzt mit Manfred Kluge als Geschäftsführer. Auf Inititiave des Vereins lud die Stadt Vlotho alle überlebenden Juden in ihre Heimat ein, an der "Versöhnungswoche" nahmen 21 jüdische Gäste teil, Motto: "Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung."

Gleichzeitig gab die Mendel-Grundmann-Gesellschaft das Buch "Sie waren Bürger unserer Stadt - Beiträge zur Geschichte der Juden in Vlotho" heraus. Texte lieferten Stephen Hans Loeb (seit 1991 auf Anregung Helmut Urbschats Ehrenbürger der Stadt), Helmut Urbschat selbst und Manfred Kluge. 1995 folgten die von Kluge bearbeiteten Broschüren "Nationalsozialismus in Vlotho" (zweite Auflage) und "Novemberpogrom in Vlotho". Die Mendel-Grundmann-Gesellschaft veröffentlichte 1998 gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt Exter und dem Heimatverein Vlotho zudem das Buch zum "Geschichtslehrpfad Vlotho".

Auf rege Aufmerksamkeit stieß auch die Ausstellung "Sie waren Bürger unserer Stadt" 2000 beim Kreisgeschichtsfest samt Begleitbuch.

Zu den herausragenden Ereignissen der Mendel-Grundmann-Gesellschaft gehören die 2003 veröffentlichten Loeb-Briefe. In der Folge gab es weitere Lesungen, 2005 etwa aus der Sammlung der Mosheim-Briefe.

Zwischen 2006 und 2007 wurden insgesamt 41 Stolpersteine verlegt, den Kontakt zum Künstler hatte der Verein "Moral & Ethik" geknüpft, für die Durchführung sorgte die Mendel-Grundmann-Gesellschaft. Manfred Kluge bei der Gedenkfeier zur Würdigung der Opfer: "Mit den Stolpersteinen sind die Vlothoer Juden symbolisch in ihre Heimatstadt zurückgekehrt."

Dr. Arthur Obermayer zeichnet die verdienten Bürger seit acht Jahren aus, eigentlich nur Einzelpersonen. "In diesem Fall war das aber anders", erklärte Ralf Steiner gestern. Beide gehörten in ihrer Arbeit für die Mendel-Grundmann-Gesellschaft zusammen.

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