Waldeckische Allgemeine und/oder Frankenberger Allgemeine

Geschichte nicht entsorgen
Jewish Award für Kurt-Willi Julius und Karl-Heinz Stadtler

Von Sylvia Griffin
Donnerstag, 26 Januar 2006

BERLIN/VÖHL. Alle anderen waren Einzelpreisträger. Kurt-Willi Julius und Karl-Heinz Stadtler aber seien untrennbar, meinte Arthur Obermayer, als er den German Jewish History Award an die beiden Lehrer aus Vöhl überreichte.

Jüdisches Leben in Deutschland bewahren

Außer ihnen wurden vier weitere Männer geehrt, die es sich „zur Herzensangelegenheit gemacht haben, jüdisches Leben in Deutschland zu bewahren," wie es der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper, formulierte.


Ausgezeichnet: Zur Übergabe des German Jewish History Award im Berliner
Abgeordnetenhaus (Preußischer Landtag) waren (von links) Jurymitglied Carol Baird,
Barbara Küpfer, Kurt-Willi Julius, Dr. Arthur Obermayer, Karl-Heinz Stadtler, Alfred Hartenbach,
Birgit Stadtler und Harald Plünnecke gekommen.

Momper war in doppelter Eigenschaft bei der gestrigen Zeremonie im Plenarsaal des Gebäudes anwesend: als Hausherr und als Jurymitglied. Die Obermayer Foundation verlieh die Preise zum sechsten Male; die letzten fünf Male bildete der alte „Preußische Landtag" den glanzvollen Rahmen.

Festredner Edzard Reuter, Ehrenbürger Berlins, wandte sich entschieden gegen eine „Tendenz zur Entsorgung" der schmerzlichsten Periode der deutschen Geschichte. „Freiheit und Demokratie können ohne Achtung der Menschenwürde nie überleben," betonte er.

Es sei die furchtbare Wahrheit, dass Menschen imstande seien, ihre gesamte zivilisatorische Erfahrung zu vergessen. Das Wirken der Preisträger trage jedoch dazu bei, „dass niemand von uns in die Unverbindlichkeit entfliehen kann."

Obermeyer, der über die Suche nach seinen deutschen Wurzeln auf zahlreiche Deutsche stieß, die das jüdische Erbe in der Bundesrepublik pflegen, war von diesen Bemühungen so beeindruckt, dass er die Stiftung gründete, die nun jährlich verdiente Deutsche auszeichnet.

Julius und Stadtler wurden für ihre jahrelange Arbeit für den Erhalt der Vöhler Synagoge geehrt, die heute mit ihrem vielfältigen Programm als Kulturzentrum jährlich bis zu 3000 Besucher anzieht, wie es in der übergebenen Urkunde heißt.

Karl-Heinz Stadtler forscht und schreibt über die jüdische Geschichte Vöhls. Kurt-Willi Julius sorgt für die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse. Dabei nutzt er gekonnt das Internet. Er organisiert Kulturveranstaltungen, betreut die fortschreitende Restauration der Synagoge und kümmert sich um Geldmittel.

Die Ehrung schließt eine finanzielle Unterstützung ihrer Arbeit ein.

"Sie hörten nicht auf, uns zu nominieren"

Julius dankte auf Englisch den Befürwortern ihrer Auszeichnung , „who didn't stop nominating us" (die nicht aufhörten, uns zu nominieren).

Stadtler sprach „mit Stolz und Dankbarkeit" von den 200 Mitgliedern des Förderkreises, die ihre Arbeit unterstützt hätten. Er schloss in seinen Dank ausdrücklich den Vöhler Bürgermeister Harald Plünnecke sowie den Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär Alfred Hartenbach mit ein.

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