Waldeckische Landeszeitung und/oder Frankenberger Zeitung"Obermayer-Award" als herausragende Auszeichnung und Ermutigung für den Förderkreis der Vöhler Synagoge"Eine Stunde der Nachdenklichkeit und der Hoffnung"Von Holger Kulick BERLIN / VÖHL. Große Ehre für den Förderkreis "Synagoge von Vöhl": Im Berliner Abgeordnetenhaus erhielten die Motoren" der Initiative, Karl-Heinz Stadtler und Kurt-Willi Julius, gestern Abend den "Obermayer German Jewish History Award". Damit werden deutsche Bürger geehrt, die auf freiwilliger Basis besondere Beiträge leisten, um die jüdische Geschichte, Kultur und überlieferte Zeugnisse ihrer Gemeinden zu bewahren. Gebannt und sichtlich bewegt saßen sie in der dritten Reihe des Berliner Abgeordnetenhauses, dort wo sonst FDP-Parlamentarier den Reden des Regierenden Bürgermeisters von Berlin lauschen: die beiden Lehrer Karl-Heinz Stadtler und Kurt-Willi Julius, die in Vertretung für den Förderkreis "Synagoge von Vöhl" den German Jewish History Award entgegennahmen, den der jüdische Unternehmer Dr. Arthur Obermayer aus Boston nun zum sechsten Mal in Berlin verliehen hat. 210 Waldeck-Frankenberger gehören dem Förderkreis inzwischen an, den Karl-Heinz Stadtler 1999 initiierte, als das Synagogengebäude in Vöhl zum Verkauf stand. Kurt-Willi Julius (Kirchlotheim) organisiert die zahlreichen Kulturveranstaltungen des Förderkreises und sorgt für die Veröffentlichungen von Stadtlers Forschungsergebnissen. Dazu hat er die Internetseite des Vereins www.synagoge-voehl.de gestaltet, die, so die Jury bei der Preisverleihung, "ein beeindruckendes Angebot enthält - unter anderem eine Sammlung von Lebensdaten früherer jüdischer Einwanderer" (Anm. des Webmasters: "Einwanderer" ist falsch; richtig muss es heißen: "Bewohner"). Mit dem "Obermayer-Award" werden Menschen geehrt, die jüdisches Leben und Kultur aufrechterhalten, "dabei Vergangenheit und Gegenwart verbinden und in die Zukunft weisen", lobte der Berliner Parlamentspräsident Walter Momper die insgesamt sechs Preisträger des Abends. Jeder von ihnen erhielt eine Urkunde und ein symbolisches Preisgeld von 500 Euro, um damit die umfangreichen Arbeiten fortzusetzen. Dies sei eine Stunde der Nachdenklichkeit und der Hoffnung, sagte Berlins Ehrenbürger Edzard Reuter in seiner Festrede. Reuter mahnte die Kommunen und Regierungen, solche Projekte nachhaltig zu unterstützen. "Leere öffentliche Kassen dürfen auf keinen Fall als Vorwand für Nachlässigkeit herhalten", redete Reuter den anwesenden Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ins Gewissen. Die beiden Preisträger aus Vöhl bedankten sich in kurzen Ansprachen für die Ehrung und nahmen sie als eindrucksvolle Ermutigung, auf ihrem Weg fortzufahren. Besonderen Dank richteten sie an Carol Davidson Baird aus Solana Beach in den USA, die den Förderkreis vorgeschlagen hatte. Zusammen mit ihren Angehörigen und Vöhler Bürgern hatten sie und ihr Mann ihren 30. Hochzeitstag in der Synagoge gefeiert, in der achtzig Jahre zuvor bereits ihre Großeltern geheiratet hatten. "Meine Familie hat ihren angestammten Platz an diesem Ort wiedererhalten, in dem ihre Vorfahren geboren wurden, Bar Mitzwa feierten, heirateten und starben", berichtete sie. Im September 1942 wurden die letzten Juden aus dem Raum Vöhl deportiert. Back |